Filmvorführung und Gespräch mit Hilde Hoffmann und Markus End: 30 Jahre nach dem Mauerfall – Konjunkturen des Antiziganismus seit 1989/90

Datum: 
12. Juni 2019
Ort oder Sender: 

Berlin

„Am 29. Juni 1992 entdeckt ein Bauer zwei Körper in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern. Ermittlungen ergeben, dass es sich bei den Toten um rumänische Staatsbürger handelt. Sie werden bei dem Versuch, die damalige EU-Außengrenze zu überschreiten, von Jägern erschossen.“

Im Film REVISION wird dieser „juristisch abgeschlossene“ Kriminalfall einer filmischen Revision unterzogen. Orte, Personen und Erinnerungen werden miteinander verknüpft und ergeben ein fragiles Gefecht aus Versionen und Perspektiven einer „europäischen Geschichte“.

Dieser Film dient als Ausgangspunkt für ein Gespräch mit Hilde Hoffmann und Markus End über eine scheinbar gegenläufige Tendenz: Die Jahre 1989/90 sorgten durch die Öffnung der Mauer und den Fall des „Eisernen Vorgangs“ erst einmal für Euphorie und wurden als Entwicklung in Richtung zu mehr Freiheit und Demokratie verstanden. Ein Blick auf die Situation der Sinti und Roma in Europa in diesen und den Folgejahren zeigt allerdings, dass diese Sicht zu kurz greift und offenbart Konjunkturen des Antiziganismus: Angehörige der Minderheit sind im „geeinten Europa“ mit zahlreichen Einschränkungen und verschiedenen Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung konfrontiert. Antiziganismus als spezifische Form des Rassismus ist bis heute verbreitet und dient immer wieder als Grundlage und Legitimation politischer Entscheidungen zu Ungunsten von Angehörigen der Minderheit. Die mediale Berichterstattung wiederholt dabei allzu oft überlieferte Stereotype statt zu einer kritischen Auseinandersetzung beizutragen.

Programm

18:00 Uhr Film: Revision (Deutschland 2012, 106 Min.; Buch: Merle Kröger und Philip Scheffner, Regie: Philip Scheffner)

20:00 Uhr Gespräch: Konjunkturen des Antiziganismus seit 1989/90. Mit Hilde Hoffmann und Markus End.

Dr. Hilde Hoffman lehrt und forscht am Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum.

Dr. Markus End ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung und Vorsitzender der Gesellschaft für Antiziganismusforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen Theorien des Antiziganismus, antiziganismuskritische Bildungsarbeit und Antiziganismus in den Medien, bei Polizei- und Sicherheitsbehörden und in der Sozialen Arbeit.

Datum

Samstag, 22. Juni 2019, 18:00 Uhr

Ort

Bildungsforum gegen Antizganismus
Prinzenstraße 84.2
10696 Berlin
(im Aufbau Haus am Moritzplatz, Zugang über Oranienstraße)

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe Fakten*Fiktionen – Menschen im Objektiv