Tagung: Marginalisierte Häftlingsgruppen in der historischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus. Einblicke in Theorie und Praxis

Datum: 
11. November 2013 - 12. November 2013
Ort oder Sender: 

Dachau

Als sich die Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus und zum Holocaust ab den 1980er Jahren konkretisierte, Institutionen geschaffen und Konzepte etabliert wurden, blieben einige Häftlingsgruppen nur eine Randerscheinung. „Asoziale“, Homosexuelle, „Berufsverbrecher“, Sinti und Roma, Zwangssterilisierte, Opfer der sogenannten Euthanasie oder der Invalidentransporte sahen sich seit der Nachkriegszeit in unterschiedlichem Maße einer gesamtgesellschaftlichen Diskriminierung, Stigmatisierung und Nichtbeachtung ausgesetzt.

In den entsprechenden politischen, wissenschaftlichen und vor allem pädagogischen Diskursen spielten sie lange keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Erst in den letzten Jahren kann von einer verstärkten Präsenz dieser marginalisierten Häftlingsgruppen in den Debatten der Gedenkstätten, Schulen und Museen gesprochen werden. Im Rahmen dieser Tagung soll nun erstmals ein Forum für Debatten zur zukünftigen Rolle von marginalisierten Opfergruppen in der historischen Bildungsarbeit geboten werden. Wie verändert sich der Zugang zu marginalisierten Opfergruppen durch die Digitalisierung des Lernens? Wie ist das Verhältnis von schulischer und außerschulischer Bildung? Wie können gegenwärtige Ausprägungen von Rassismus, Marginalisierung und Ungleichheiten mit historischen Themen verbunden werden? Wie müssen „nichtmarginalisierte“ Positionen von Vermittelnden reflektiert werden? Welche Rolle können künstlerische Annährungen spielen? Die Tagung hat es sich zum Ziel gesetzt, sowohl den aktuellen Stand der historischen Bildungsarbeit zu marginalisierten Opfergruppen zu rekapitulieren als auch Überlegungen für die zukünftige Arbeit anzustellen.

Etwa 20 Expert/inn/en aus Gedenkstätten, der Geschichtsdidaktik, der Museumspädagogik und Interessensvertretungen stellen ihre Erfahrungen vor. Dabei wechseln sich Vorträge mit praxisorientierten Workshop-Einheiten ab, in denen Konzepte ausprobiert, Quellenproblematiken diskutiert sowie Anregungen für die eigene Arbeit gewonnen werden können.

Veranstalter: Max Mannheimer Studienzentrum/Internationales Jugendgästehaus Dachau, Nina Ritz (Dachau) und Steffen Jost (Dachau)

Programm

Montag, 11. November 2013 

9:30 – 12:00 Offenes Angebot

Max Mannheimer Studienzentrum: Rundgang auf der KZ-Gedenkstätte Dachau mit thematischem Schwerpunkt „marginalisierte Häftlingsgruppen“

oder

Albert Knoll (Dachau): Einführung in die Archivarbeit und Präsentation von Materialien aus dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau

12:00 – 13:00 Mittagessen (optional)

13:00 – 13:15 Begrüßung und organisatorische Fragen

13:15 – 14:45 Keynotes

Christa Schikorra (Flossenbürg): Ausgegrenzt – Streit um Anerkennung bis heute

Oliver Plessow (Kassel): Ergänzung statt Konkurrenz? Marginalisierte Häftlingsgruppen in der schulischen und nichtschulischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus

Diskussion

14:45 – 15:00 Kaffeepause 

15:00 – 17:00 Workshops zur Auswahl

Steffen Jost (Dachau): Sinti und Roma im Konzentrationslager Dachau – Verfolgung, Vernichtung und der Kampf um Wiedergutmachung

Christian Kuchler (Aachen): „Euthanasie“-Propaganda im Kino: Der Spielfilm „Ich klage an“ und der kirchliche Protest gegen seine Inhalte

Christina Brüning (Freiburg), Selman Erkovan (Berlin): Historisch-politische Bildung mit videografierten Zeitzeug/inn/eninterviews in (sozio-)kulturell sowie religiös heterogenen Lerngruppen und die theoretisch-praktischen Grenzen differenzierend-„migrantisierenden“ Lernens

17:00 – 17:15 Kaffeepause 

17:15 – 18:00 Berichte aus den Workshops 

18:00 – 19:00 Abendessen 

19:00 Abendveranstaltung

Eva Schöck-Quinteros, Peter Lüchinger, Frederike Buda (Bremen): „Margarete Ries: Vom ,asozialen‘ Häftling in Ravensbrück zum Kapo in Auschwitz“. Das Projekt Aus den Akten auf die Bühne: Arbeitsweise, Vermittlung, szenische Lesung 

Dienstag, 12. November 2013 

9:00 – 10:00 Vorträge

Tobias von Borcke (Berlin): An den Orten der Verfolgung über Sinti und Roma sprechen – aber wie? Gedenkstättenpädagogik als politische Bildungsarbeit gegen Antiziganismus

Anne Allex, Lothar Eberhardt (Berlin): Kein Mensch ist asozial

Diskussion 

10:00 – 11:45 Workshops zur Auswahl

Marianne Bechhaus-Gerst (Köln): „Besonderes Kennzeichen:N.“ Konstruktionen von Weißsein/Schwarzsein in historischer Perspektive

Dagmar Lieske (Berlin): „Berufsverbrecher“ als Opfergruppe im Nationalsozialismus. (K)einThema in der Gedenkstättenpädagogik?

Thomas Rink, Kerstin Schwenke, Felizitas Raith (München): „Weil wir Sinti sind ...“ – Ein biografisches Seminar zu Hugo Höllenreiner 

11:45 – 12:30 Berichte aus den Workshops

12:30 – 13:30 Mittagessen

13:30 – 14:30 Vorträge

Albert Knoll (Dachau): Die Verfolgung von Homosexuellen – Forschung und Vermittlung

Nina Wilkens (Berlin): Erinnerung an ein Tabu. „Sonderbauten“ von Quintan Ana Wikswo

Diskussion 

14:30 – 15:30 Resümee

Veranstaltungsort

Max Mannheimer Studienzentrum/Internationale Jugendgästehaus
Roßwachtstraße 15
85221 Dachau

Wir bitten um Anmeldung per Telefon oder E-Mail an bildung [at] mmsz-dachau [dot] de unter Angabe ihres Namens und ihrer E-Mail-Adresse bis zum 28.Oktober 2013. 

Weitere Informationen und den Tagungsflyer finden Sie unter www.mmsz-dachau.de/de/events

Steffen Jost
Max Mannheimer Studienzentrum
Internationales Jugendgästehaus Dachau
Roßwachtstr. 15
85221 Dachau
Tel. 08131/6177-14
Fax 08131/6177-19
E-Mail: bildung [at] mmsz-dachau [dot] de
Internet: www.mmsz-dachau.dewww.facebook.com/mmsz.dachau