Gesprächsseminar: Ein Täter / eine Täterin in der Familie? Erklärungsversuche für das Handeln von Täterinnen und Tätern im Nationalsozialismus.

Datum: 
27. April 2013 - 28. April 2013
Ort oder Sender: 

Hamburg

Was es heißt, einen NS-Täter oder Täterin in der eigenen Familie zu haben und gemeinsam auf die Suche nach unliebsamen Wahrheiten zu gehen, dieser Frage haben wir in bisher acht offenen Gesprächsseminaren nachgespürt.

Teils gemeinsam, teils in Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmenden über Täter/innen in der Familie aus. Zuletzt widmeten wir uns der Frage nach den psychosozialen Folgen für die Angehörigen, mit Formen der Begegnung von Täter- und Opferkindern, Gefühlen von Loyalität und Illoyalität gegenüber den eigenen Eltern, Frauen und Ehefrauen als (Mit-)Täterinnen und der Motivation von Tätern.

Das Gesprächsseminar richtet sich an Personen, die sich intensiver mit Täterinnen und Tätern in der eigenen Familie auseinandersetzen wollen. Wir möchten die bisherigen Themen vertiefen und neue Fragen aufwerfen. Wir möchten uns erneut der Frage stellen, wie es gelingen kann, mit der Kenntnis von Täterschaft in der Familie umzugehen. Welche Formen gibt es, die im Umgang mit dem Wissen helfen? Und wir möchten darüber sprechen, was wir über die Täter und ihre Motive bzw. die Antriebskräfte zur Täterschaft wissen oder in Erfahrung bringen können. Einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten über die Ergebnisse ihrer Recherchen und die Motivation, sich ihrer Familiengeschichte zu stellen. Dabei spielen Fragen von Loyalität und Illoyalität in der eigenen Familie sowie des Umgangs mit dem moralischen und familiären Erbe nach 1945 hinein. Wir möchten darüber reden, welche Möglichkeiten es gibt, die Auseinandersetzung mit Tätern in der Familie zu einem Ergebnis zu bringen. Auch aktuelle Perspektiven des gesellschaftlichen Umgangs werden aufgegriffen. Schwerpunkt bilden die eigenen biographischen Erfahrungen.

Das Seminar ist über zwei Tage angelegt, um in Ruhe persönliche Erfahrungen reflektieren zu können und die Möglichkeit zu eröffnen, sich außerhalb der Seminarzeit auszutauschen.

Seminarleitung

Karin Heddinga Freie Gedenkstättenpädagogin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Thomas Käpernick Historiker und freier Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Oliver von Wrochem Leiter des Studienzentrums der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Anmeldung & Information

Bis 22. April 2013 bei

Dr. Oliver von Wrochem
KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Studienzentrum
E-Mail: Oliver [dot] vonWrochem [at] kb [dot] hamburg [dot] de
Tel. 040-428131-515

Programm

Samstag, 27. April 2013

10.00 Uhr Begrüßung, Vorstellung des Programms

10.10 Uhr Eröffnungsrunde mit Fragen (Raumaufstellung)

10.30 Uhr AG 1 Biographiestrahlarbeit AG 2 Arbeit zur Frage, welche Ergebnisse die Auseinandersetzung mit Tätern in der eigenen Familie haben könnte (mit integrierter Kaffeepause)

11.30 Uhr Teilnehmer stellen sich und ihren Biographiestrahl vor (AG 1)

13.30 Uhr Mittagessen

14.00 Uhr Teilnehmer stellen die Ergebnisse der AG 2 vor

15.00 Uhr Filmausschnitt „Tatortreiniger: Schottys Kampf“ (2013) Teil II mit Diskussion

16.00 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr Feedback zum ersten Tag/Wünsche für den kommenden Tag

17.00 Uhr Ende des ersten Tages

18.00 Uhr Gemeinsames Essen in Bergedorf (auf Wunsch und nach Anmeldung), Zeit für informellen Austausch

Sonntag, 28. April 2013

11.15 Uhr Begrüßung, Rückblick auf den ersten Tag

11.30 Uhr Tätergruppen des KZ Neuengamme (Schwerpunkt: Motivation der Täter) 12.00 Uhr Vorstellung von Fallbeispielen/Biographien von Vätern /Großvätern

13.15 Uhr Mittagessen

13.45 Uhr Vorstellung von Fallbeispielen/Biographien von Vätern /Großvätern

14.30 Uhr Aktualitätsbezüge: Die Morde der NSU – zur Motivlage der Täter

16.00 Uhr Feedback und Überlegungen zur Frage: wie geht es weiter?

17.00 Uhr Ende des Seminars