Über das Thema Rekonstruktion wird seit Jahren eine heftige Debatte geführt. Rekonstruiert wird jedoch seit der Antike, da zu allen Zeiten Bauten zerstört und bei Bedarf wieder errichtet wurden. Die Gründe für einen Wiederaufbau sind dabei sehr verschieden und das Verständnis sowie die Definition von „Wiederherstellung“ wechselten. Ein Blick in die Geschichte und eine differenzierte Betrachtung der Begriffe könnten helfen, die Probleme und Argumente in einen größeren historischen Zusammenhang einzuordnen und so die gegenwärtige Diskussion etwas zu „ent-emotionalisieren“.
Zur Ausbildung und Prägung eines „kulturellen Gedächtnisses“ (Jan Assmann) spielen Bauten, als exponierte und jedem direkt vor Augen stehende Zeugnisse der Vergangenheit, von jeher eine besondere Rolle. Mit einer Rekonstruktion wird im bewussten Rückgriff der verlorene „Erinnerungsort“ als wichtiger Träger unterschiedlichster Bedeutungen wiederhergestellt. Viele Rekonstruktionen waren nie umstritten – wie beispielsweise der Wiederaufbau des 1902 eingestürzten Campanile am Markusplatz in Venedig – andere wurden in die Geschichte des jeweiligen Gebäudes integriert und sind heute längst selbst wieder historische Dokumente.
In der Ausstellung werden anhand von 85 repräsentativen Fallbeispielen sowie weiteren 200 Rekonstruktionen – von Japan bis Kanada und von der griechischen Antike bis heute – verschiedene Beweggründe für die Wiedergewinnung verlorener Bauten dargestellt und analysiert. Der Bogen spannt sich von Rekonstruktionen aus Gründen einer religiösen Kontinuität über nationale Motive bis hin zu Wiederaufbauten zur Erfüllung ästhetischer Vorstellungen oder kommerzieller Wünsche. Die zeichnerischen Rekonstruktionen antiker Bauten von der Renaissance bis zur Gegenwart werden ebenso behandelt wie der von unseren westlichen Gewohnheiten völlig verschiedene Umgang mit historischer Bausubstanz im mittleren und fernen Osten. Modelle, Gemälde, Pläne, Fotos und Animationen geben einen umfassenden Einblick in ein spannendes Thema.
Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation mit 16 Aufsätzen und einem Katalogteil von renommierten Wissenschaftlern.
Ausstellungsort
Pinakothek der ModerneBarer Straße 40
80333 München
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr
Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr
Begleitprogramm
VORTRAG: Professor Dr.-Ing. Winfried Nerdinger | Zur Einführung – Konstruktion und Rekonstruktion historischer Kontinuität DO 23.09.2010 | Ernst von Siemens-Auditorium in der Pinakothek der Moderne | Barer Str. 40 | 80333 München | 18.00 | Eintritt frei
VORTRAG: Professor Dr. Aleida Assmann | Rekonstruktion – Die zweite Chance, oder: Architektur aus dem Archiv DO 21.10.2010 | Ernst von Siemens-Auditorium in der Pinakothek der Moderne | Barer Str. 40 | 80333 München | 18.00 | Eintritt frei
Führungen
Kuratoren-Führung MI | 28.07.2010 | 15.00 | Markus Eisen/Hilde Strobl
Kuratoren-Führung DO |12.08.2010 | 18:30 | Hilde Strobl
Führung SA | 28.08.2010 | 16.00
Führung SA | 11.09.2010 | 16.00
Kuratoren-Führung DO | 16.09.2010 | 18:30 | Markus Eisen/Hilde Strobl
Kuratoren-Führung MI | 29.09.2010 | 15:00 | Markus Eisen/Hilde Strobl

