Wir erleben Rom von einer Seite, die nicht in den üblichen Reiseführern zu finden ist.
Eine Epoche seiner Geschichte, die auch deutsche Geschichte ist, allerdings gerne verschwiegen oder verharmlost wird: Die Besetzung Roms durch deutsche Truppen, SS
und Gestapo
von 1943-1944. Partisanenbewegung, Verfolgung, Zwangsarbeit
und Kriegsverbrechen sind die Seminarthemen.
Wir treffen Piero Terracina, einen der letzten Zeitzeugen der Deportation
der italienischen Juden nach Auschwitz, und Rosario Bentivegna, eine der zentralen Figuren der römischen Stadtguerilla. Wie er verweigerten große Teile der römischen Bevölkerung dem Besatzungsregime die Gefolgschaft, ganze Stadtquartiere leisteten passiven und aktiven Widerstand. Wir gehen zu den Orten dieser Geschichte, zu der Gedenkstätte Ardeatinische Höhlen, ins ehemalige Ghetto
, ins Resistenza-Museum, in einen historischen Stadtteil etc. Eine Historikerin des Römischen Institut zur Geschichte Italiens vom Faschismus bis zur Resistenza (IRSIFAR) wird uns immer wieder als Expertin begleiten und als Diskussionspartnerin zur Verfügung stehen.
Geplantes Programm (bei täglich 8 Unterrichtsstunden)
Montag, 13.09.10
bis 18 Uhr Ankommen im Hostel in Rom-Ostia.
18.15 Uhr Kennenlernen und Programmvorstellung
20.15 Uhr gemeinsames Abendessen
Dienstag, 14.09.10
Vormittags:
Historischer Abriss zur politischen und militärischen Situation zur Zeit der Besetzung Roms. Vorgestellt werden die verschiedenen Akteurinnen und Akteure von zeitgeschichtlicher Bedeutung. Rom – Offene Stadt: ein Begriff und was sich dahinter verbirgt. Erste örtliche Orientierungen. Gemeinsame Fahrt ins antike Zentrum der Stadt.
Nachmittags:
Wir treffen an der Cestus-Pyramide auf Maria Rocchi, Historikerin vom IRSIFAR, die über die Kämpfe an der Porta San Paolo zur Verhinderung des Einmarsches der deutschen Truppen in die Stadt 1943 berichten wird. Danach führt sie uns durch einen Stadtteil mit ausgeprägter Widerstandsgeschichte.
Mittwoch, 15.09.10
Vormittags:
Fahrt in den Stadtteil Trastevere, wo der Partisan Rosario Bentivegna im Haus der Geschichte Roms über die Resistenza im besetzten Rom berichten wird: über ihre Protagonisten, ihre politischen Orientierungen, ihre Aktionen, wie zum Beispiel den berühmten Anschlag der GAP-Guerilla in der Via Rasella und seine bis heute andauernden Nachwirkungen im politischen Raum.
Nachmittags:
Treffen mit Maria Rocchi zum Thema traditioneller Antifaschismus
und spontaner Widerstand gegen die Besatzer in den Armutsquartieren und Arbeitervierteln Roms. Die bedeutsame, lange Zeit aus der offiziellen Geschichte verdrängte Rolle der autonomen kommunistischen Organisation „Bandiera Rossa“ (Rote Fahne).
Donnerstag, 16.09.10
Vormittags:
Fahrt in die Gegend der Via Appia antica und der Katakomben und Besuch der Gedenkstätte „Fosse Ardeatine“ - Ort der Rache des NS-Regimes für die Aktivitäten der Resistenza. Die Geschichte des unvergessenen Massakers an 335 Menschen durch die Nationalsozialisten.
Nachmittags:
Rundgang durch das ehemalige SS-Gefängnis in der Via Tasso, heute Museum und Gedenkstätte des Widerstands. Diskussion der politischen und juristischen Aufarbeitung der Verbrechen der deutschen Besatzer und ihrer faschistischen italienischenHelfer. Der „Schrank der Schande“ und die aktuellen Kriegsverbrecherprozesse.
Freitag, 17.09.10
Vormittags:
Treffen mit Piero Terracina, einem der wenigen römischen Überlebenden von Auschwitz. Er wird über die Shoa
in Italien berichten, über Rassengesetze, Deportation und Vernichtung der römischen Jüdinnen und Juden, über Solidarität und Verrat angesichts des nationalsozialistischen Terrors. Anschließend Führung an der alten Synagoge vorbei durch das ehemalige Ghetto.
Nachmittags:
Besuch des Hauses der Geschichte Roms in der Nähe des Vatikans. Maria Rocchi spricht zum Verhältnis zwischen Vatikan und Faschismus sowie zur Rolle der katholischen Kirche während der Besatzung: das Verhalten des Klerus vor Ort und die umstrittene Politik Papst Pius XII.
Samstag, 18.09.10
Vormittags:
Treffen mit VertreterInnen der aktuellen sozialen Bewegung in Rom zu den Themen: Welche Anknüpfungspunkte an die Resistenza gibt es in den derzeitigen politischen Auseinandersetzungen mit einer wieder erstarkten radikalen Rechten unter dem neofaschistischen Bürgermeister Roms und zunehmenden rassistischen Tendenzen in der Bevölkerung?
Nachmittags:
Abschließende Diskussionen und Auswertung des Seminars.
Ende gegen 15.00 Uhr
Leitung: Marianne Wienemann und Matthias Durchfeld (ISTORECO)
Das Seminar richtet sich an
historisch und politisch interessierte Erwachsene, die sich mit der deutschen und italienischen Zeitgeschichte, ihrer Aufarbeitung und ihrer Bedeutung für die Gegenwart auseinander setzen möchten. Für dieses Seminar kann eine Bildungsfreistellung nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW und Hessen in Anspruch genommen werden (Antragsfrist bis sechs Wochen vor Seminarbeginn). Anträge auf Anerkennung in weiteren Bundesländern können auf Anfrage gestellt werden.
Lernziele:
Verständnis für Zeitgeschichte und heutige Politik in Italien und ihre Bezüge zur deutschen NS-Geschichte; Vertiefung von an Gedächtnisorte gebundene Kenntnisse; Urteilsbildung zu Fragen der Verantwortung und juristischen Auseinandersetzung mit den Verbrechen von SS und Wehrmacht in Italien und der Bundesrepublik Deutschland.
Kosten und Leistungen:
Unsere Leistung umfasst Unterbringung, Frühstück, Eintritte, Führungen, Vorträge und Übersetzungen. Ort der Unterbringung ist ein modernisiertes Jugendgästehaus mit unterschiedlichen Zimmerqualitäten direkt am Strand in Ostia: Kostenbeitrag bei Unterkunft im 5/6-Bett-Zimmer mit Bad 400 €; im 3/4-Bett-Zimmer mit Bad 430 €; im Doppelzimmer mit Bad 460 €. Einzelzimmer auf Anfrage. Die Anreise und das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr sind individuell zu organisieren. Hinweis zur Anreise: Mehrere Billigfluglinien steuern die beiden römischen Flughäfen Fiumicino und Ciampino an.
Anmeldung:
Zur Anmeldung schicken Sie uns bitte eine Postkarte, eine Mail oder ein Fax, spätestens bis zum 01.08.2010. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt; sie werden nach dem Eingangsdatum der Anmeldung vergeben.
Kontakt:
Bildungswerk der Humanistischen Union NRW
Kronprinzenstraße 1545128 Essen
Telefon: 0201-227982
E-Mail: buero [at] hu-bildungswerk [dot] de

