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Jüdischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Prof. Dr. Wolfgang Benz ist Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung den der TU Berlin.

Von Wolfgang Benz

Die Möglichkeiten für Juden, Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten, waren so begrenzt, dass Historiker wie der Nestor der Holocaustforschung Raul Hilberg davon überzeugt waren, es habe ihn nicht gegeben. Das bestritten seine Kollegen vor allem in Israel mit dem Verweis auf jüdische Partisanen in Weißrussland und der Ukraine, mit Beschreibungen des Warschauer GhettoBesetzung der polnischen Hauptstadt am 29.9.1939, Entrechtung der 350.000 jüdischen Einwohner. November 1940 Errichtung des Ghettos nach mittelalterlichem Muster. Bewacht hinter Mauern, Konzentration von 500.000 Juden und Tausenden Sinti und Roma auf minimaler Fläche unter unmenschlichen Bedingungen. 45.000 Todesopfer allein 1941. Deportationen in das Vernichtungslager Treblinka 1942/43. April 1943 Aufstand der Widerstandsbewegung unter Mordechai Anielewicz, Zerstörung des Ghettos nach 28 Tagen durch SS unter dem Kommando Stroop, Anlage eines Parks und KZ.-Aufstands, mit den Heroengeschichten der Revolten in Auschwitz und TreblinkaNordöstlich von Warschau errichtetes größtes Vernichtungslager der "Aktion Reinhard", nach Belzec und Sobibór im Juni/Juli 1942 zur Steigerung der Tötungskapazitäten errichtet. Von Angehörigen der Aktion T4 geplant, mit SS-Hilfspersonal betriebene Mordstätte für ca. 900.000 Menschen, vor allem Juden aus dem Warschauer Ghetto, dem Bezirk Radom und vielen europäischen Ländern sowie Tausenden Sinti und Roma. Nach dem Aufstand der "Arbeitsjuden" am 2. August 1943 Auflösung, Beseitigung der Spuren, Tarnung des Ortes durch Überbauung mit einem Bauernhof., Bialystok und Sobibor.

Dass jüdischer Widerstand die Ausnahme war, entspricht aber leider der historischen Wirklichkeit. Die Mehrheit der Juden hatte keine Chance, sich gegen den Holocaust aufzulehnen. Das war nicht die Schuld der Juden. Gewalt und Arglist, Täuschung und Terror waren stärker, und Solidarität mit den Opfern gab es kaum. Ohne Solidarität, d. h. Rückhalt aus der Mehrheit der Bevölkerung war erfolgreicher Widerstand nicht möglich.

So besteht die Geschichte jüdischer Gegenwehr gegen den Nationalsozialismus aus mutigen Taten Einzelner, aus Gesten einiger weniger Gruppen, aus Aktivitäten der Verzweiflung vor dem sicheren Tod im KZ und VernichtungslagerKonzentrationslager (NS- Abkürzung: KL), nach 1933 eingerichtet zur Ausschaltung politischer Gegner, zur Einschüchterung der Bevölkerung und zur Isolierung und Vernichtung unerwünschter sozialer, ethnischer und religiöser Minderheiten sowie Kriegsgefangener. Der SS unterstellt, waren die Lager der ordentlichen Rechtsprechung entzogen. Der Tod von Millionen Menschen durch unzureichende Ernährung und Unterbringung, durch Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen war beabsichtigt. Bis 1945 gab es im NS-Machtbereich tausende Lager, Nebenlager und Außenkommandos.. Zu den Einzelnen gehörte Erich Leyens, der während des Boykotts jüdischer Geschäfte am 1. April 1933Am 1. April 1933, öffentlich angekündigter, von SA organisierter Boykott von Geschäften, Anwaltskanzleien, Arztpraxen, Apotheken jüdischer bzw. "nichtarischer" Inhaber. Beginn der Berufsverbote. Bitten der Reichsvertretung der deutschen Juden an beide christliche Kirchen um Beistand blieben unbeantwortet. vor seinem Kaufhaus in Wesel Flugblätter gegen die NS-Politik verteilte. Ein anderer war der junge polnische Jude Moshe Beirach, der sich 1942 den jüdischen Partisanen unter Tuvia Bielski in Weißrussland anschloss — der größten Widerstandgruppe überhaupt mit etwa 1200 Mitgliedern. Eugen Herman-Friede aus Berlin-Kreuzberg war Schüler und erst 17 Jahre alt, als er sich der DeportationZwangsumsiedlung von Juden sowie Sinti und Roma aus ihren Wohnungen zunächst in besondere Unterkünfte, Häuser und städtische Lager, in Osteuropa in Ghettos, KZ, Arbeits- und Straflager sowie Tötungszentren. Deportationen wurden sprachlich als "Aussiedlung" oder "Evakuierung" getarnt, um das eigentliche Ziel, die Ermordung, zu vertuschen. durch Untertauchen entzog und sich einer kleinen jüdischen Widerstandsgruppe, der „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ anschloss. Ihr Widerstand war Hilfe für versteckte Juden und das Verteilen von Flugblättern gegen das Hitler-Regime.

Die zionistische Jugendgruppe Chug Chaluzi in Berlin hatte etwa 40 Mitglieder. Der kommunistisch-jüdischen Herbert-Baum-Gruppe, die im Mai 1942 den spektakulären Brandanschlag auf eine NS-Propaganda-Ausstellung im Berliner Lustgarten verübte, gehörten rund 100 Jugendliche an. Das waren die Dimensionen jüdischen Widerstands. Es konnte auch nicht um den bewaffneten Kampf jüdischer Organisationen gegen den Nationalsozialismus gehen, sondern nur um Selbstbehauptung, um das Überleben einiger weniger im Untergrund. Das war gefährlich, dazu gehörte Mut und Kraft. Dazu wurden aber auch nichtjüdische Freunde und deren Solidarität benötigt.

Daran fehlte es aber. Gewalt, Hass und Desinteresse machte das Schicksal der jüdischen Minderheit ausweglos. Die Geschichte des jüdischen Widerstands ist deshalb kein dramatisches Heldenepos vom Befreiungskampf des jüdischen Volkes. Es war aber auch nicht so, dass die Juden sich willenlos „wie die Schafe zur Schlachtbank“ treiben ließen. Es war nicht jüdische Feigheit, die den nationalsozialistischen Tätern das Morden erleichterte, sondern Ausweglosigkeit als Folge eines Übermaßes perfekter Organisation, mit der die Vernichtung systematisch geplant und vollzogen wurde. Die Geschichte des jüdischen Widerstandes ist daher eine Geschichte aus vielen Facetten, in der Einzelne aufbegehrten, kämpften, sich dem Judenmord zu entziehen suchten und sich gegen Unmenschlichkeit und Vernichtung behaupteten.