Empfehlung Fachdidaktik

Antiziganistische Bilder in Schule und Unterricht

Adam Strauß (Hg.): „Zigeunerbilder“ in Schule und Unterricht. Referate einer Tagung am 6. Juni 2008. Marburg, 2008, 116 Seiten, € 8,50

Der Band vereint sechs Beiträge verschiedener Autoren, auf Grundlage ihrer Redebeiträge auf der vom hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma 2008 durchgeführten Tagung, die sich mit dem Thema „Zigeunerbilder“ in Schule und Unterricht auseinandersetzten.

Dabei wurde die Frage aufgestellt, warum die Vorgaben aus der Politik, die Themenbereiche „Verfolgung der Sinti und Roma“ und „Antiziganismus“ im Unterricht zu behandeln, so wenig Beachtung im Schulalltag finden.

Im Mittelpunkt standen dabei die Umfragen, die der Landesverband in Kooperation mit dem Institut für Pädagogik und der Gesellschaft für Antiziganismusforschung veranlasst hatte. Ziel war es zu erfragen, welche „Zigeunerbilder“ heute in der Schule bekannt sind und wie mit dem Thematik „Sinti und Roma“ im Unterricht umgegangen wird.

Genau diese Fragestellung, nämlich ob die Thematik in den Schulen und im Unterricht angekommen sei, wurde in den zwei Umfragen formuliert, die vom Landesverband Hessen des Verbands deutscher Sinti und Roma veranlasst worden waren. Udo Engbring-Romang stellt die Ergebnisse in seinem Beitrag dar.

Im Herbst 2006 waren hessische Schule, das sind Schulleitungen, befragt worden, mit dem Ergebnis, dass vor allem von Gymnasien bestätigten, dass das Thema „Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus“ behandelt würde, dass aber weitere Bereiche eher unbekannt oder unbeachtet geblieben seien, so vor allem das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten.

Die zweite im Rahmen des Lokalen Aktionsplans durchgeführte Fragebogenaktion zeigte ergänzend dazu, dass eine intensive Beschäftigung nicht die Regel ist, dass das Rahmenübereinkommen weitgehend unbekannt ist, dass Materialien, sei es wissenschaftliche Literatur, Handreichungen zum Unterricht oder auch die Ausstellungen zur Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma in Heidelberg oder in Darmstadt eher unbekannt geblieben sind.

Gleichzeitig wurde der Eindruck der fehlenden Ausbildung im Studium auch durch Zahlen bestätigt. Fazit: das Thema ist im Unterricht nicht so angekommen, wie vom Landesverband erhofft oder von der Kultusbehörde erwartet.

Zwei der sechs Beiträge stammen von Studierenden, die die besagten Befragungen durchgeführt haben. Sie geben einen Eindruck davon, wie schwierig es war die Ablehnung von Seiten der Schulen zu überwinden, obwohl die Befragung zuvor vom Kultusministerium in Hessen abgesegnet worden war. Sie machen Zeitmangel, aber auch eine fehlende Bereitschaft sich mit eigenen Unsicherheiten und Wissenslücken auseinander zu setzen für die Absagen der Lehrerinnen und Lehrer bzw. der Schulleitungen verantwortlich.

Ein lesenswerter Beitrag von Margit Romang über die Darstellung und Wahrnehmung von Sinti und Roma in der Presse ergänzt die Berichte über die Befragungen. In ihrer Darstellung sollte die Gesamtwahrnehmung ggf. auch die Veränderungen, die es in den letzten Jahren geben habe, dargestellt werden. Vor allem für die letzten fünf Jahre stellte sie eine positive Veränderung fest, wenn es darum ging, Sinti und Roma als Opfer des Nationalsozialismus zu darzustellen. Über Gedenkveranstaltungen würde in der Regel positiv berichtet, auch wenn immer wieder Unkenntnis über die Geschichte der Sinti und Roma deutlich würde. Neu ist, dass über Rassismus gegen Sinti und Roma zum Teil ausführlich berichtet wird. Geblieben sind aber auch Artikel, vor allem aus dem polizeilichen Umfeld, die rassistische Klischees benutzen, bedienen oder fördern.

Der Band ist eine der wenigen Publikationen zu dieser Thematik und eignet sich gut als leicht lesbarer Einstieg. Er enthält Hinweise auf ausführlich ausgearbeitete Unterrichtsmaterialien, wie die des Hessischen Landesinstituts für Pädagogik (HeLP) aus dem Jahr 1998.

Allerdings bezieht sich die im Band enthaltene Untersuchung nur auf das Bundesland Hessen, sodass der Buchtitel etwas mehr verspricht als er am Ende halten kann.

 

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