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Stimmen aus Ravensbrück

Ravensbrück, 80 km nördlich von Berlin gelegen, war das größte Frauenkonzentrationslager in Deutschland. Im Mai 1939 eröffnet, war es zunächst für 15 000 Häftlinge angelegt, zeitweise wurden jedoch mehr als 120 000 Frauen aus 23 Ländern dort zusammengepfercht. Darunter Frauen aus dem politischen Widerstand, Zeuginnen Jehovas, Sinti und Roma und Jüdinnen. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde hingerichtet oder starb an den Folgen von Schwerstarbeit, Krankheiten und medizinischen Experimenten.

Soweit bekannt, wurden im Konzentrationslager mehr als 1200 Gedichte verfasst. Mehr als 130 der in Ravensbrück inhaftierten Frauen betätigten sich heimlich als Dichterinnen und suchten in dieser künstlerischen Betätigung Stärkung, Trost und geistiges Überleben. Die Gattung Lyrik eignete sich aus formalen wie aus inhaltlichen Gründen besonders zur Beschreibung der erlittenen Erfahrungen: Gedichte konnten aufgrund ihrer Kürze und Rhythmik mündlich weitergetragen werden und erlaubten eine inhaltliche Verdichtung.

Die Künstlerin Pat Binder stellt in ihrem Website Projekt, das als metaphorischer Raum für die Begegnung mit den "Stimmen aus Ravensbrück" konzipiert ist, viele dieser beeindruckenden Gedichte (z.T. mit O-Tönen), verfasst von Frauen aus mehr als 15 Nationen, vor. Ergänzt durch im Lager entstandene Zeichnungen, Fotografien von der heutigen Gedenkstätte, einer ausführlichen literaturwissenschaftlichen Abhandlung zur Bedeutung der Gedichte und einer Chronik des Frauenkonzentrationslager, bietet die Website gleichermaßen Informationen und die Möglichkeit zu einem virtuellen Gedenken.

Link

http://www.pat-binder.de/ravensbrueck/de/home.html

 

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