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Sinti und Roma in Deutschland

Datenbank und pädagogisches Handbuch der Universität Graz

Die Datenbank ROMbase bietet wohl das größte deutschsprachige Angebot an Informationen und didaktischem Material für eine pädagogische Auseinandersetzung zum Thema Roma.

Untergliedert ist die Datenbank in die fünf Bereiche „Ethnologie und Gruppen“, worunter sich u.a Beiträge zu Familien- und Sozialstruktur, Glauben und Berufe finden lassen, „Geschichte und Politik“, „Sprache“, „Literatur“, „Musik“ und „Persönlichkeiten“.

In einem zweiten Teil haben die Autoren ein 100 seitenstarkes Handbuch mit Impulsartikeln, Anregungen zur didaktischen Umsetzung und einer Materialsammlung erstellt. Das Handbuch kann kostenlos als PDF herunter geladen werden. Darin befinden sich alle Beiträge der Datenbank übersichtlich angeordnet und mit didaktischen Anregungen für den Unterricht versehen.

Die Datenbank bietet auch die Möglichkeit sein Wissen zum Thema Roma zu testen. Zu jeder Frage verweist ein Link auf die Stelle in der Datenbank, an der die richtige Antwort gefunden werden kann. Lassen Sie sich nicht von der Spracheinstellung täuschen. Das gesamte Angebot findet sich auf Deutsch, Englisch und Tschechisch, auch wenn die Startseite nur auf Englisch erscheint. Ein sehr empfehlenswertes Angebot!

http://romani.uni-graz.at/rombase/index.html

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Seit 1997 besteht das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Neben der ständigen Ausstellung über den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma bietet das Zentrum pädagogische Begleitprogramme für Schulklassen und Erwachsene an und führt zahlreiche eigene Projekte durch. Seit neuestem bietet das Dokumentationszentrum auch Materialien für die pädagogische Praxis außerhalb des Zentrums an.

Das illustrierte Kinderbuch „Elsas Geschichte“ von Michael Krausnick erzählt die Geschichte vom Völkermord an den Sinti und Roma. Begleitend zum Buch ist ein Theaterstück entstanden, das im März 2009 uraufgeführt worden ist. Sehr lohnenswert für den Einsatz in der pädagogischen Praxis ist die Website des Buches, die in mehreren Kapiteln Hintergrundinformationen zum historischen Kontext der Erzählung, seinen Hauptfiguren und allgemeinen Informationen zu Sinti und Roma. Momentan sind die pädagogischen Materialien zum Buch noch in Arbeit, doch in Kürze sollen sie auf dieser Website veröffentlicht werden.

http://www.sintiundroma.de/index/ und http://www.elses-geschichte.de/buch/index.html

Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung 

Das Dossier bietet einen informativen und sachlichen Einstieg in die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland mit Schwerpunkt auf die Zeit des Nationalsozialismus bis heute. Untergliedert in fünf Bereiche werden Mythen und Wirklichkeit der Lebensweise von Roma thematisiert, ihre Verfolgung während des NS, die Chancenungleichheit nach dem NS, die Fortschritte seit dem Ende der 1970er, als sich Sinti- und Roma-Initiativen zu formieren begannen. Sie erreichten u.a, dass ihre Selbstbezeichnung als „Sinti“ und „Roma“ sich allmählich in der Öffentlichkeit durchsetzten.

Den Abschluss bildet ein Beitrag zu Diskriminierung der Roma und Sinti in Deutschland und Europa, die bis in die Gegenwart reicht. Das Dossier eignet sich durchaus als Überblick über die Opfergeschichte der Roma und Sinti, etwas einseitig spart es weitere Aspekte ihrer Geschichte und Gegenwart allerdings aus.

http://www.bpb.de/publikationen/QKCP5E,0,0,Sinti_und_Roma_als_Feindbilder.html#art0

Informationen für Jugendliche – Gesellschaft für bedrohte Völker 

Diese Website entstand auf der Grundlage einer Publikation der Gesellschaft für Bedrohte Völker aus dem Jahr 1995. Sie wendet sich ausdrücklich an jugendliche Leser, sodass die Texte übersichtlich und leicht lesbar sind.

Die Autorin hat  die Lebensberichte von vier Roma-Familien aufgenommen, die von der Verfolgung der Roma und Sinti während des Nationalsozialismus erzählen. Die Berichte zeigen wie die groß die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Unterschiede zwischen Roma-Familien waren und sind.

Allerdings fehlt eine Differenzierung zwischen der Geschichte der Sinti, die vor über 600 Jahren nach Deutschland und Westeuropa kamen und den Roma, die gegen Ende des 19. und 20. Jh. aus Osteuropa nach Deutschland kamen. Sie werden nicht nur im Titel als „Unbekanntes Volk: Sinti und Roma“ zusammengefasst. Auch die abwertende Bezeichnung „Zigeuner“ wird im Text an einigen Stellen verwendet, um sie von ihrem negativen Klang zu befreien, wie die Autorin schreibt. Bei der Verwendung dieser Website im Unterricht müsste darauf noch stärker eingegangen werden, als die Autorin es hier tut.

Der Abschnitt „Zigeuner – Mythen und Tatsachen thematisiert „Zigeunerbilder“ zwischen Romantisierung und Diskriminierung. Darin beschreibt die Autorin anhand eines Ausschnittes aus dem inzwischen nicht mehr verwendeten Jugendbuch „Als Vaters Bart noch rot war“ von Wolfdietrich Schnurre und einigen anderen alten Volksliedern die romantische Aufladung des „lustigen Zigeunerlebens“ in der Kunst und Literatur und die gleichzeitige Diskriminierung und Ablehnung dieses Lebensstils. Leider nur in einem Nebensatz weist sie daraufhin, dass diese Bilder nicht dem Leben der Mehrheit der Roma und Sinti entsprechen. Eine Neuauflage und Überarbeitung dieser Publikation wäre sicher ein Gewinn.

http://www.gfbv.it/3dossier/sinti-rom/de/rom-de.html

 

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