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Empfehlung Unterrichtsmaterial

Jüdisches Leben in Baden-Württemberg

Landeszentrale für politische Bildung BW (Hg.): Jüdisches Leben in Baden-Württemberg. Politik und Unterricht, Heft 2/1999.

Die Ausgabe „Jüdisches Leben in BW“ bietet auf 48 Seiten Anregungen für die Vorbereitung eines Synagogenbesuchs, eine lokale Spurensuche und Material über Jüdisches Leben in Deutschland heute. Die vier Bausteine regen dazu an, sich mit dem Thema nicht in der traditionellen Weise (Schulbücher, Lehrervortrag, Referate) zu beschäftigen, sondern einen fächerübergreifenden Zugang über Begegnungen zu wählen.

Im Mittelpunkt des Bausteins A steht die Vorbereitung auf den Besuch in einer Synagoge. Die meisten Informationen und Materialien beziehen sich auf die Stuttgarter Synagoge, doch finden sich auch Hinweise auf die Synagogen in Karlsruhe und Mannheim. Die Hinweise eignen sich auch für die Planung eines Synagogenbesuchs mit Schülerinnen und Schülern in anderen Bundesländern, auch wenn sie nicht als vollkommen übertragbar gelten können. Dafür öffnen sie den Blick auf jüdische Feste, Speisegesetze und Geschichte. Als methodisches Vorgehen zur Erschließung wird hier ein Lernzirkel vorgeschlagen. Hilfreich sind dabei die vorbereiteten Arbeitsblätter und Laufzettel sowie die übersichtlich gehaltenen Literaturhinweise.

Baustein B soll motivieren, nach lokalen Spuren jüdischen Lebens zu forschen, Blicke in die Vergangenheit der eigenen Umgebung zu werfen und sie dadurch besser kennenzulernen. Die gesammelten Materialien und Informationen sollen zu einer Broschüre, einem „neuen“ Stadtplan oder einer Ausstellung zusammengestellt werden.

Im Baustein C erfahren die Schüler etwas über Begegnungen mit Juden, die in Deutschland leben: Zeitzeugen, die die Vernichtung überlebt haben, deren Kinder, Enkel und jüdische Einwanderer aus Osteuropa. Der Autor Harald Roth gibt eine Einführung in die Situation von Juden im Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit, dabei konzentriert er sich auf die Erfahrungen in den Lagern für Displaced Persons (DPNach 1945 Bezeichnung der Alliierten für die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen, heimat- und staatenlosen jüdischen Überlebenden der befreiten Lager sowie nichtdeutschen Flüchtlinge aus Osteuropa, zusammen ca. 8,5 Millionen Menschen. DP-Lager bestanden nach 1945 vielfach für einige Jahre in ehemaligen NS-Lagern bis zur Auswanderung, Repatriierung oder Einbürgerung der D.P.-Camps).

Leider wurden diesem Teil nur vier Seiten gewidmet und das Alter des Heftes, immerhin zehn Jahre, macht sich bemerkbar. Die Einwanderung von Juden aus der ehemaligen SowjetunionIst die Kurzbezeichnung für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR). Sie wurde nach dem Ende des russischen Reiches (1917) im Dezember 1922 gegründet. Bis zu ihrem Zerfall im Jahr 1991 Bildete sie das politische Zentrum des Ostblocks (auch Warschauer Vertragsstaaten) und des real existierenden Sozialismus. Die Sowjetunion umfasste etwa das Territorium der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) sowie Estlands, Lettlands und Litauens.	nach Deutschland ist eine Entwicklung, die sich in der Zwischenzeit noch sichtbarer zeigt und viele jüdische Gemeinden in Deutschland vor neue Herausforderungen stellt.

Lesenswert sind die beigefügten Interviews mit Zeitzeugen, trotz ihres Alters allemal. Denn die Autoren befragten nicht nur Überlebende der ShoahDer Begriff stammt aus dem Hebräischen und bedeutet Unheil bzw. große Katastrophe. Er bezeichnet den Völkermord an den 6 Millionen Juden durch die Nationalsozialisten. Dieser Völkermord zielte auf die vollständige Vernichtung der europäischen Juden. Er wurde mit dem staatlich propagierten Antisemitismus begründet und im Zweiten Weltkrieg seit 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgeführt. , sondern öffneten den Blick auf die Sichtweisen von Angehörigen der zweiten oder dritten Generation. Deren Einschätzungen und Befindlichkeiten haben nichts von ihrer Aktualität verloren.

Ein Projektbericht über den Schüleraustausch zwischen deutschen und israelischen Gymnasiasten rundet das Heft ab.

Die Autoren und Autorinnen des Heftes sind fast alle selbst als Lehrerinnen und Lehrer an verschiedenen Schultypen tätig und haben die vorgeschlagenen Projekte und Unterrichtseinheiten meist selbst in ihrem Unterricht erprobt.

http://www.politikundunterricht.de/2_99/puu992a.htm