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Projekt

"Die Moorsoldaten"

Widerstand in Konzentrationslagern

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Eckdaten

Ort/Bundesland: Schleswig-Holstein
Schule: Grund- und Hauptschule Süsel
Lehrer: Matthias Isecke-Vogelsang
Altersgruppe: 12 Jahre und älter
Fach: Musik

Bibliografie

  • Langhoff, Wolfgang Die Moorsoldaten: 13 Monate KonzentrationslagerKonzentrationslager (NS- Abkürzung: KL), nach 1933 eingerichtet zur Ausschaltung politischer Gegner, zur Einschüchterung der Bevölkerung und zur Isolierung und Vernichtung unerwünschter sozialer, ethnischer und religiöser Minderheiten sowie Kriegsgefangener. Der SS unterstellt, waren die Lager der ordentlichen Rechtsprechung entzogen. Der Tod von Millionen Menschen durch unzureichende Ernährung und Unterbringung, durch Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen war beabsichtigt. Bis 1945 gab es im NS-Machtbereich tausende Lager, Nebenlager und Außenkommandos. Stuttgart: 1974
  • Werkstatt Düsseldorf des Arbeitskreises Literatur der Arbeitswelt (Hg.): Der rote Großvater erzählt. Berichte und Erzählungen von Veteranen der Arbeiterbewegung aus der Zeit von 1914 bis 1945, Frankfurt am Main: o. J.

Projekt Kontakt

Matthias Isecke-Vogelsang
Am Schulzentrum 3
D- 23701 Süsel

Projektbeschreibung

Die Schülerinnen und Schüler lernen Die Moorsoldaten, eines der bekanntesten Lieder aus dem sozialistischen und kommunistischen Widerstand kennen. Das Lied wurde nach 1933 in den ersten Konzentrationslagern komponiert und gesungen. Von Gefangenen wurde dieses Lied in ein weites Netz von Konzentrationslagern in Deutschland weitergegeben, wo es auch nach 1939 weiterhin gesungen wurde.

Die Moorsoldaten entstand in den Moor-Konzentrationslagern, einer Kette von fünfzehn Konzentrationslagern, die 1933 in Nazi-Deutschland gegründet wurden und die unter dem gemeinsamen Namen Emslandlager bekannt waren. Einer der bekanntesten Gefangenen war der Journalist und Pazifist Carl von Ossietzky1889-1939. Journalist, überzeugter Pazifist. 1919/20 Sekretär der Deutschen Friedensgesellschaft. In den 20er Jahren in Berlin Redakteur bei verschiedenen Zeitungen. 1927-1933 Herausgeber der "Weltbühne". Nach einem Enthüllungsartikel über die geheime Aufrüstung der Reichswehr 1931 wegen Landesverrats zu 18 Monaten Haft verurteilt. 1933 nach dem Reichstagsbrand Verbot der Weltbühne, Gestapo-Haft im KZ Esterwegen. 1935 bekam Ossietzky in Haft den Friedensnobelpreis, dessen Entgegennahme ihm verboten wurde. Er starb an den Folgen der Haft nach seiner Entlassung., der 1933 zuerst ein Gefangener in Esterwegen war und der 1935 den Friedensnobelpreis erhielt (siehe Bilder).

Im Unterricht soll von der Melodie ausgegangen werden, um danach den Text zu erschließen. Die Moorsoldaten - ein Lied zum Hören, Interpretieren, Singen und Begleiten - Zeitaufwand: 2 Stunden

Hintergrund

Eines der bekanntesten Lieder aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist das Lied von den Moorsoldaten. Der eindringliche Text und die volksliedhafte Melodie haben es zu einer geschichtlichen Quelle gemacht.

Über die Entstehung liegen unterschiedliche Berichte vor, was in der Liedmonographie ungewöhnlich ist. Das kann u.a. dadurch erklärt werden, dass sogar die Autoren nach ihrer Haftentlassung verschleiernde Darstellungen verbreiteten, um noch in den Konzentrationslagern einsitzende Häftlinge nicht zu gefährden.

Das Lied entstand nach allen Berichten im Sommer 1933 im Lager Börgermoor bei Papenburg im Emsland als Antwort auf Ausschreitungen der Wachmannschaften (siehe Dokumente). Insbesondere wegen seiner letzten Strophe verbot es der Kommandant des Lagers schon kurze Zeit später. Es verbreitete sich dennoch schnell weiter und wurde sogar international bekannt.

Die Autoren des Textes waren Wolfgang Langhoff1901-1966. Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor in Düsseldorf (1928-1933). Als Kommunist im Februar 1933 verhaftet und im KZ Börgermoor inhaftiert. Nach der Entlassung 1934 Flucht in die Schweiz. Sein Bericht "Die Moorsoldaten", veröffentlicht 1935, schildert die Lagerhaft und enthält das Lied der Moorsoldaten. 1934-1945 arbeitete Langhoff am Züricher Schauspielhaus. 1946-1963 Leiter des Deutschen Theaters in Ostberlin. und Johann Esser, Rudi Goguel schrieb die Melodie die später von Hanns Eisler1898-1962. Deutscher Komponist, wichtigster Repräsentant der sozialistischen Musikkultur. Eisler studierte u.a. bei Arnold Schönberg und Anton Webern. Ab 1929 Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Bertolt Brecht. 1933 Emigration. Ab 1938 in den USA, Hochschullehrer für Komposition in New York und Los Angeles. Rückkehr nach Deutschland. In Berlin (DDR) lehrte er von 1950 bis zu seinem Tod an der später nach ihm benannten Hochschule für Musik. Eisler komponierte 1949 die Hymne der DDR "Auferstanden aus Ruinen". und Ernst Busch1900-1980. Schauspieler und Sänger, arbeitete mit Erwin Piscator und Bertolt Brecht in den 20er Jahren in Berlin, aktiv in der sozialistischen Arbeiterbewegung. Nach 1933 Exil in Holland, Belgien und Frankreich, Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg. 1942 in Südfrankreich von den Deutschen verhaftet und 1943 wegen Hochverrats verurteilt, bis 1945 im Zuchthaus Brandenburg inhaftiert. Nach 1945 bedeutender Interpret vieler Stücke und Lieder von Brecht und Hanns Eisler am Deutschen Theater und Berliner Ensemble. Mitglied der Akademie der Künste der DDR. bearbeitet wurde. Alle drei waren in der Kommunistischen Partei aktiv. Langhoff wurde nach 1945 Intendant in Düsseldorf und Ost-Berlin, geriet aber schließlich in große Differenzen mit der Führung der DDR wegen der offiziellen Kulturpolitik.

Durchführung

Das Lied Die Moorsoldaten kann im Unterricht besprochen, gesungen und instrumental begleitet werden, wenn ein erstes Wissen über das System der Konzentrationslager vermittelt wurde. Dabei sollte deutlich werden, dass unterschiedliche Gruppen von Menschen verfolgt wurden. Die Erarbeitung des Liedes kann in zwei Schritten erfolgen, als Musikanalyse und als Textanalyse.

Musikanalyse

Die Lehrerin oder der Lehrer spielt (oder summt) der Lerngruppe nur die Instrumentalfassung (Melodie) vor (evtl. von einer Kollegin oder einem Kollegen das Instrumentalspiel auf einer Kassette aufnehmen lassen). Als musikalische Parameter lassen sich ansprechen:

  • Takt/Rhythmik: Es handelt sich um einen Vierviertel-Takt, der den Begriff "Soldaten" mit diesem Stilmittel unterstützt.
  • Harmonik: Sie wechselt zwischen Moll und paralleler Dur-Tonart. Dadurch wirkt das Lied melancholisch, aber auch hoffnungsvoll und - im Schlussteil - auffordernd oder trotzig.
  • Melodik: Im Original waren die drei ersten Töne gleich, um die Trostlosigkeit des Lagers zu symbolisieren. Der Refrain beginnt mit einem Sextsprung, der emotional-dramatisch wirkt. Die Takte eins und zwei sowie fünf und sechs sind in der Melodieführung gleich, nur um zwei Töne nach oben verschoben. Es handelt sich um eine Sequenzierung, ein Stilmittel, das auch bei Volksliedern und in der populären Musik angewendet wird.

Textanalyse

Der Text ist anschaulich und gut nachzuvollziehen. So wird die Situation der Gefangenen deutlich zum Ausdruck gebracht. Andererseits gibt es auch Verschlüsselungen. Dies ist schon bei dem Begriff "Moorsoldaten" der Fall, aber auch bei anderen Wörtern wie etwa "verstaut" und bei dem Satz "Ewig kann's nicht Winter sein".

Der Erfolg der "Moorsoldaten" ist darauf zurückzuführen, dass es sich um ein eingängiges Lied handelt, das dennoch in Musik und Text Überraschendes beinhaltet.

Praktische Erfahrungen

Lieder können Quellen sein - das gilt insbesondere für das vorliegende Beispiel. Schülerinnen und Schüler von 7., 8. und 9. Klassen an Haupt- und Sonderschulen Schleswig-Holsteins wurden beim Hören und Singen der "Moorsoldaten" emotional stark angesprochen. Die Wirkung konnte vertieft werden, wenn der Bericht über die Entstehung des Liedes als Weiterführung und Abschluss erzählt oder gelesen wurde.