Klicken und kostenlos helfen!
Empfehlung Kinderbuch-/Jugendbuch

Elses Geschichte

Michael Krausnick, Lukas Ruegenberg: Elses Geschichte - Ein Mädchen überlebt Auschwitz. Erzählt von Michael Krausnick mit Bildern von Lukas Ruegenberg und einem Nachwort von Romani Rose. (Patmos Verlag/ Sauerländer Verlag) Düsseldorf 2007, € 12.90

"Auschwitz ist das Symbol für die Ermordung von Menschen in GaskammernGeschlossene Räume in Tötungszentren der Aktion T4, den Vernichtungslagern der "Aktion Reinhard" sowie in Auschwitz , Majdanek und einigen Konzentrationslagern, in denen geistig und körperlich Behinderte, Juden, Sinti und Roma sowie andere Gefangene, insgesamt mehr als 3 Millionen Menschen, mit Giftgas (Kohlenmonoxyd und Zyklon B) ermordet wurden., nur weil sie als SintiAuch Cinti. Bezeichnung für die im deutschen, west- und mitteleuropäischen Sprachraum seit 1400 lebende nationale Minderheit, die Teil der seit 1979 mit beratendem Status bei der UNO akkreditierten Weltorganisation der "Romani-Union" ist. Die Bezeichnung leitet sich vermutlich von der Herkunft aus der nordindischen Region Sindh ab. Die ca. 40.000 heute in Deutschland lebenden deutschen Sinti, deren Vorfahren schon seit mehr als 500 Jahren hier ansässig waren, unterscheiden sich von den Roma durch sprachliche Unterschiede (Dialekte und Lehnwörter) und kulturelle Traditionen ("Zigeuner" Romanes)., RomaDie Sammelbezeichnung "Zigeuner", für die ethnische Minderheit der Sinti und  Roma gilt als diskriminierend. Sinti und Roma, die bekanntesten der 5 Hauptgruppen, kamen als Migranten aus Indien. Seit über 600 Jahren leben Sinti und Roma in Europa. Sie sind meist katholische Christen, die balkanischen Roma häufig Muslime. Die Sinti und Roma sind oft über Generationen in ihren Heimatorten verwurzelt. Von den Nationalsozialisten wurden sie wie die Juden aus rassistischen Gründen verfolgt. Nach Schätzungen wurden ca. 500.000 in KZ, Ghettos und durch Massenerschießungen im Zweiten Weltkrieg ermordet. oder Juden auf die Welt gekommen sind. Das ist die härteste Anklage, das darf am wenigsten vergessen werden" schrieb Hermann Langbein, Publizist und ehemaliger Auschwitzhäftling.

Else Matulat wächst als Pflegekind in einer Arbeiterfamilie am Rande von Hamburg auf. Es herrscht Krieg. Trotzdem gehen Else und ihre Freundinnen zur Schule und versuchen ein normales Leben zu führen. Ihr ist nicht klar, dass sie nicht das leibliche Kind ihrer Eltern ist, und noch viel weniger kann sie wissen, dass sie von den Nazis als »Zigeunermischling« klassifiziert ist. Erst später erfährt sie, dass ihre leibliche Mutter eine so genannte »Halbzigeunerin« war.

Im Frühjahr 1943, gerade acht Jahre alt, wird sie von zwei Männern in langen Ledermänteln abgeholt und zum Hafen gebracht. Dort werden die zur DeportationZwangsumsiedlung von Juden sowie Sinti und Roma aus ihren Wohnungen zunächst in besondere Unterkünfte, Häuser und städtische Lager, in Osteuropa in Ghettos, KZ, Arbeits- und Straflager sowie Tötungszentren. Deportationen wurden sprachlich als "Aussiedlung" oder "Evakuierung" getarnt, um das eigentliche Ziel, die Ermordung, zu vertuschen. nach Auschwitz bestimmten Sinti- und RomaRom bedeutet Mensch in Romanes, der Sprache der Roma. Internationale kollektive Bezeichnung für ca. 10 Millionen Menschen auf der Welt. Roma leben überwiegend in Ost- und Südosteuropa, einige auch seit ca. 100 Jahren in Deutschland und Mitteleuropa. Sie unterscheiden sich von den Sinti durch sprachliche Unterschiede (Dialekte u. Lehnwörter) und in kulturellen Traditionen. Gemeinsam ist ihnen der besondere Zusammenhalt der Familien, die unbestrittene Autorität und Verehrung der älteren Generation durch die Jüngeren sowie die Erfahrung der Verfolgung als "Zigeuner".- Familien gesammelt. Vater Matulat setzt alle Hebel in Bewegung, um Else zurückzuholen. Es gelingt ihm, sie aus Rasvensbrück frei zu bekommen und sie damit vor dem sicheren Tod zu retten.

Michail Krausnick erzählt nach dem Zeitzeugenbericht der mittlerweile 71-jährigen Else Schmidt von den Monaten, die das Mädchen in Auschwitz und Ravensbrück erleben musste, was sie beobachtete, was sie empfand und wie sie den Alltag danach meisterte. Das Buch "Elses Geschichte" ist entstanden mit Unterstützung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Durch die Zeitzeugenberichte, die das Zentrum sammelt und dokumentiert, wurde Lukas Ruegenberg auf das Schicksal der Else Schmidt aufmerksam und gab den Anstoß zu diesem Buch.

Michail Krausnick hat Elses Bericht kind- und jugendgemäß nacherzählt, - zusätzliche Informationen zu Elses Biografie verdankt er der Hamburger Publizistin Karin Guth. Ein bedrückendes, ernsthaftes und zugleich wichtiges Kinderbuch, das aus der Perspektive des Kindes die traumatische Vergangenheit nachfühlbar und durch die eindrücklichen Zeichnungen und aquarellierten Großbildern anschaulich macht, was damals möglich war.

Ab 9 Jahre und für Erwachsene. Als Lektüre in Schulen ab der 4. Klasse nachdrücklich zu empfehlen. Umfangreiche pädagogische Materialien zu dem Buch können auf der Homepage "Elses Geschichte" abgerufen werden. Die Unterrichtsmaterialien wurden auf unserem Portal bereits rezensiert.

Michail Krausnick, geb. 1943 in Berlin, lebt als freier Autor bei Heidelberg. Er schreibt Romane für Kinder und Erwachsene, Theaterstücke, Film- und Fernsehdrehbücher und historische Sachbücher. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und dem CIVIS-Fernsehpreis für den Dokumentarfilm »Auf Wiedersehen im Himmel«. Krausnick ist Mitglied des P.E.N. und des VS.

Lukas Ruegenberg wurde 1928 in Berlin geboren und studierte dort an der Kunstakademie als Schüler von Karl Schmidt-Rottluff. 1951 trat er als Ordensbruder Lukas in die Benediktinerabtei von Maria Laach ein und begann in München ein Studium als Kirchenmaler. Neben seiner Tätigkeit als Künstler und Bilderbuchillustrator ist er seit 1965 in der Sozialarbeit tätig. In dem Kölner Stadtteil Bilderstöckchen gründete er verschiedene Begegnungsstätten, z. B. den »Kellerladen e.V« als Anlauf- und Vermittlungsstelle für Arbeitslose. Bekannt wurde er bereits durch seine Illustration des Kinderbuches von Inge Deutschkron “Papa Weidt” (Butzon und Bercker Verlag) Kevelaer 1999.