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Holocaust und Widerstand in Italien

Von Prof. Hanns-Fred Rathenow

Als der Führer der italienischen faschistischen Partei Benito Mussolini im Oktober 1922 von König Victor Emmanuel III. zum Premierminister ernannt worden war, begann damit bis zum Beginn der Landung der Alliierten im Jahre 1943 auch eine Zeit der Diskriminierung, der Unterdrückung der italienischen Juden sowie ihre DeportationZwangsumsiedlung von Juden sowie Sinti und Roma aus ihren Wohnungen zunächst in besondere Unterkünfte, Häuser und städtische Lager, in Osteuropa in Ghettos, KZ, Arbeits- und Straflager sowie Tötungszentren. Deportationen wurden sprachlich als "Aussiedlung" oder "Evakuierung" getarnt, um das eigentliche Ziel, die Ermordung, zu vertuschen. in die VernichtungslagerKonzentrationslager (NS- Abkürzung: KL), nach 1933 eingerichtet zur Ausschaltung politischer Gegner, zur Einschüchterung der Bevölkerung und zur Isolierung und Vernichtung unerwünschter sozialer, ethnischer und religiöser Minderheiten sowie Kriegsgefangener. Der SS unterstellt, waren die Lager der ordentlichen Rechtsprechung entzogen. Der Tod von Millionen Menschen durch unzureichende Ernährung und Unterbringung, durch Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen war beabsichtigt. Bis 1945 gab es im NS-Machtbereich tausende Lager, Nebenlager und Außenkommandos..

In den 30er Jahren, als die etwa 50.000 italienischen Juden noch keine Repressalien zu befürchten hatten, waren sie in die italienische Gesellschaft voll integriert. Erst vom September 1938 an, nachdem Mussolini im Juni desselben Jahres seine Gedanken über den „Faschismus und das Rassenproblem“ veröffentlicht hatte, musste die jüdische Bevölkerung Repressionen, etwa die Ausweisung aller ausländischen Juden innerhalb von sechs Monaten oder den Ausschluss jüdischer Lehrer und Schüler erdulden. Diese Situation änderte sich mit der deutschen Besetzung Norditaliens, indem im Oktober und November 1943 zahlreiche Juden, vor allem aus den norditalienischen Großstädten und aus Rom in Durchgangslager wie z. B. in Fossoli di Carpi und Bozen (http://www.deportati.it/static/pdf/libri/testo_tedesco.pdf) interniert und nach Auschwitz deportiert wurden. Die Zahlen darüber, wie viele Juden ermordet worden sind, differieren, sicher scheint zu sein, dass mindestens 40.000 Juden den HolocaustDer Begriff Holocaust  kommt aus dem Griechischen, bedeutet "vollständig verbrannt" und bezeichnet den Völkermord an den 6 Millionen Juden durch die Nationalsozialisten. Dieser Völkermord zielte auf die vollständige Vernichtung der europäischen Juden. Er wurde mit dem staatlich propagierten Antisemitismus begründet und im Zweiten Weltkrieg seit 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgeführt. in Italien überlebten.

Auf die italienischen Opfer des Holocaust verweisen auch die folgenden Websites:

www.ushmm.org/wlc/en/index.php?ModuleId=10005455&Type=normal+article http://www.shoa.de/content/view/56/46/" href="http://www.ushmm.org/wlc/en/index.php?ModuleId=10005455&Type=normal+article http://www.shoa.de/content/view/56/46/">http://www.ushmm.org/wlc/article.php?lang=en&ModuleId=10005455

Literatur zum jüdischen Widerstand findet sich unter:

http://www.ushmm.org/research/center/lerman/bibliography/bibliography.php?country=italy

Auf den italienischen Widerstand gegen die deutsche Besetzung verweist die deutschsprachige Website: http://www.partigiani.de/. In unterschiedlich verzweigter Form informiert sie über alle von den deutschen Truppen begangenen Massaker an der italienischen Bevölkerung, über Frauen im Widerstand und auch über die erst Ende der 90er Jahre einsetzenden zahlreichen Prozesse gegen ehemalige Offiziere und Unteroffiziere der deutschen Wehrmacht, die an Vergeltungsaktionen beteiligt waren.

Auch die Website der „L'associazione Nazionale Partigiani d'Italia (ANPI)“, der nationalen Gesellschaft italienischer Partisanen (http://www.anpi.it/saluto.htm), bereits 1944 in Rom gegründet, gibt das Bild wieder, dass in Italien die Erinnerung an den Widerstand gegen die deutsche Besatzung und die Opfer, die er gekostet hat, durchaus lebendig sind. So sei darauf verwiesen, dass es in fast jeder italienischen größeren Stadt ein „Istituto storico della Resistenza“, ein Institut für die Geschichte des Widerstands, gibt.

Als Beispiel für die lebendige Auseinandersetzung mit der Geschichte des Widerstands bietet „Istoreco: Istituto per la storia della Resistenza e della società contemporanea in provincia di Reggio Emilia“, das Institut für die Geschichte des Widerstands und der Zeitgeschichte in der Provinz Reggio Emilia (http://www.istoreco.re.it/), Wanderungen im Apennin an, die jeweils ein Gespräch mit einem Zeitzeugen einschließen.

In Deutsch erschien u.a.: Marco Comello: Jetzt sind wir an der Reihe. Das Massaker von Cumiana und der Widerstand im Piemont unter deutscher Besatzung 1943 – 1945, das ebenso wie weitere Schriften in Deutsch über den italienischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung erhältlich ist bei:

Verein zur Förderung alternativer Medien
Feldstr. 22
D-91052 Erlangen
Fax: +49 (0) 9131 2050 20
Mail: mail [at] resistenza [dot] de

Nicht selten werden Websites, die dem italienischen Widerstand gewidmet sind, mit entsprechender Musik („Bella Ciao“) unterlegt, wie auf dem Portal des „Befreiungskrieges“ (http://www.resistenzaitaliana.it/) oder der Website (http://digilander.libero.it/CentroSantaMarina) über den Widerstand in Santa Marina in Feltre (Belluno).

Die nationale Vereinigung ehemaliger politischer Deportierter in den Lagern der Nazis (Associazione Nazionale Ex Deportati politici nei campi Nazis – ANED) geht davon aus, dass während des Zweiten Weltkriegs ca. 40.000 Italiener (politische GefangenePolitische Gegner, deutsche und ausländische Widerstandskämpfer, zur Ausschaltung der Opposition gegen die NS-Diktatur inhaftiert. In den KZ waren sie mit dem roten Winkel, einem auf der Spitze stehenden Dreieck gekennzeichnet, bei Ausländern oft mit dem Initial des Herkunftslandes., Juden, SintiAuch Cinti. Bezeichnung für die im deutschen, west- und mitteleuropäischen Sprachraum seit 1400 lebende nationale Minderheit, die Teil der seit 1979 mit beratendem Status bei der UNO akkreditierten Weltorganisation der "Romani-Union" ist. Die Bezeichnung leitet sich vermutlich von der Herkunft aus der nordindischen Region Sindh ab. Die ca. 40.000 heute in Deutschland lebenden deutschen Sinti, deren Vorfahren schon seit mehr als 500 Jahren hier ansässig waren, unterscheiden sich von den Roma durch sprachliche Unterschiede (Dialekte und Lehnwörter) und kulturelle Traditionen ("Zigeuner" Romanes). und RomaDie Sammelbezeichnung "Zigeuner", für die ethnische Minderheit der Sinti und  Roma gilt als diskriminierend. Sinti und Roma, die bekanntesten der 5 Hauptgruppen, kamen als Migranten aus Indien. Seit über 600 Jahren leben Sinti und Roma in Europa. Sie sind meist katholische Christen, die balkanischen Roma häufig Muslime. Die Sinti und Roma sind oft über Generationen in ihren Heimatorten verwurzelt. Von den Nationalsozialisten wurden sie wie die Juden aus rassistischen Gründen verfolgt. Nach Schätzungen wurden ca. 500.000 in KZ, Ghettos und durch Massenerschießungen im Zweiten Weltkrieg ermordet., HomosexuelleHomosexualität, bereits vor dem NS kriminalisiert, galt nach der NS-Ideologie als der Bevölkerungspolitik schädliche, zu bekämpfende "Entartung". Die Verfolgung setzte in den eigenen Reihen der NSDAP 1934 mit dem "Röhm-Putsch"(SA) ein. Ein von Himmler in der Zentrale der Gestapo eingerichtetes "Sonderdezernat Homosexualität" organisierte die Erfassung. Tausende homosexuelle Männer wurden inhaftiert, z. T. kastriert und in KZ ermordet. Der rosa Winkel kennzeichnete H. in den KZ. Es gibt keinen Beleg darüber, dass lesbische Frauen aufgrund ihrer Homosexualität verurteilt und inhaftiert wurden., Zeugen JehovasReligionsgemeinschaft der Ernsten Bibelforscher, die sich ab 1931 "Zeugen Jehovas" nannten. Sie wurden nach Machtantritt der Nationalsozialisten verboten, ihre Mitglieder verfolgt, weil sie sich der NS-Ideologie und NS-Herrschaft widersetzten und als konsequente Pazifisten den Militärdienst verweigerten. Zu Tausenden in KZ inhaftiert. Mit dem lila Winkel gekennzeichnet, bildeten sie eine besondere Häftlingsgruppe. Von den nach Kriegsbeginn 1939 zum Tode verurteilten Kriegsdienstverweigerern waren Zeugen Jehovas die größte Gruppe.) in die Lager, die die Deutschen in den besetzten Gebieten errichtet hatten, verschleppt wurden. Von ihnen, so die Zahlen der ANED, kehrten lediglich 4.000. Schicksal der Deportierten ist das Museo al Deportato gewidmet (http://www.deportati.it/english/default.html).