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Empfehlung Unterrichtsmaterial

Der Fall Sidonie Adlersburg

Materialien zur Erzählung von Erich Hackl

Ursula Baumhauer (Hg.): Abschied von Sidonie von Erich Hackl. Materialien zu einem Buch und seiner Geschichte. Zürich: Diogenes Verlag 2000.

1989 erschien "Abschied von Sidonie", eine Erzählung von Erich Hackl, die auf eine historische Vorlage zurückgeht. Sie erzählt die Geschichte des 1933 geborenen RomaDie Sammelbezeichnung "Zigeuner", für die ethnische Minderheit der Sinti und  Roma gilt als diskriminierend. Sinti und Roma, die bekanntesten der 5 Hauptgruppen, kamen als Migranten aus Indien. Seit über 600 Jahren leben Sinti und Roma in Europa. Sie sind meist katholische Christen, die balkanischen Roma häufig Muslime. Die Sinti und Roma sind oft über Generationen in ihren Heimatorten verwurzelt. Von den Nationalsozialisten wurden sie wie die Juden aus rassistischen Gründen verfolgt. Nach Schätzungen wurden ca. 500.000 in KZ, Ghettos und durch Massenerschießungen im Zweiten Weltkrieg ermordet.-Mädchens Sidonie Adlersburg, das als Findelkind in der österreichischen Gemeinde Steyr in einer liebevollen Pflegefamilie aufwächst und im Alter von zehn Jahren in Auschwitz-Birkenau umgebracht wurde. Der authentische Fall Sidonie Adlersburg bietet ein ausdrucksstarkes Beispiel für nationalsozialistische Täter- und Mittäterschaft. Obwohl es keinen "Befehl von oben" gab, handelten die örtlichen lokalen Beamten des Fürsorgeamtes, der Bürgermeister, der Volksschuldirektor u.a. im vorauseilenden Gehorsam und schickten Sidonie in den Tod, indem sie ihre DeportationZwangsumsiedlung von Juden sowie Sinti und Roma aus ihren Wohnungen zunächst in besondere Unterkünfte, Häuser und städtische Lager, in Osteuropa in Ghettos, KZ, Arbeits- und Straflager sowie Tötungszentren. Deportationen wurden sprachlich als "Aussiedlung" oder "Evakuierung" getarnt, um das eigentliche Ziel, die Ermordung, zu vertuschen. nach Auschwitz veranlassten.

Die betont nüchtern-dokumentarisch erzählte Geschichte Hackls findet vor allem bei jungen Lesern großes Interesse und wird inzwischen zunehmend auch als Schullektüre eingesetzt. Sidonies Geschichte bietet die Möglichkeit – ähnlich wie die Anne Franks – , sich intensiv mit einem individuellen Schicksal vor einem historischen Hintergrund zu befassen, dass dennoch für unzählige andere in dieser Zeit steht.

Der von Ursula Baumhauer herausgegebene Materialien-Band zu "Abschied von Sidonie" resümiert nun die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Erzählung und bietet Lehrern und Schülern zahlreiche Hintergrundinformationen zum Schicksal Sidonie Adlersburgs. Neben Vorstufen der Geschichte, dem Film-Drehbruch und Fotografien, fasst diese neue Publikation Dokumente und Gesprächsprotokolle mit Angehörigen des Mädchens zusammen. Zudem dokumentiert der Band Hackls unermüdliches Bestreben einer konkreten Erinnerungsarbeit in seiner Heimatregion. Karl-Markus Gauß und Konstantin Kaiser beschäftigen sich in ihren Beiträgen aus literaturwissenschaftlicher Sicht mit dem Werk Hackls und seinem Duktus und untersuchen die Möglichkeiten der Gegenwartsliteratur in der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Erika Thurner beleuchtet die Geschichte der Verfolgung und Ermordung der SintiAuch Cinti. Bezeichnung für die im deutschen, west- und mitteleuropäischen Sprachraum seit 1400 lebende nationale Minderheit, die Teil der seit 1979 mit beratendem Status bei der UNO akkreditierten Weltorganisation der "Romani-Union" ist. Die Bezeichnung leitet sich vermutlich von der Herkunft aus der nordindischen Region Sindh ab. Die ca. 40.000 heute in Deutschland lebenden deutschen Sinti, deren Vorfahren schon seit mehr als 500 Jahren hier ansässig waren, unterscheiden sich von den Roma durch sprachliche Unterschiede (Dialekte und Lehnwörter) und kulturelle Traditionen ("Zigeuner" Romanes). und RomaRom bedeutet Mensch in Romanes, der Sprache der Roma. Internationale kollektive Bezeichnung für ca. 10 Millionen Menschen auf der Welt. Roma leben überwiegend in Ost- und Südosteuropa, einige auch seit ca. 100 Jahren in Deutschland und Mitteleuropa. Sie unterscheiden sich von den Sinti durch sprachliche Unterschiede (Dialekte u. Lehnwörter) und in kulturellen Traditionen. Gemeinsam ist ihnen der besondere Zusammenhalt der Familien, die unbestrittene Autorität und Verehrung der älteren Generation durch die Jüngeren sowie die Erfahrung der Verfolgung als "Zigeuner". während der nationalsozialistischen Diktatur. Im abschließenden Aufsatz resümieren Rosemarie Fischer und Günter Krapp die Erfahrungen von Lehrern und Schülern im schulischen Umgang mit der Erzählung "Abschied von Sidonie" und präsentieren verschiedene Unterrichtsmodelle. In Ergänzung zur Lektüre "Abschied von Sidonie" präsentiert sich der Materialien-Band als Arbeitsbuch, das die schulische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und Rassismus und Ausgrenzung in der Gegenwart effizient unterstützt.