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Empfehlung Lebensbericht

Deutsche und Juden nach 1945

Familiengeschichte, HolocaustDer Begriff Holocaust  kommt aus dem Griechischen, bedeutet "vollständig verbrannt" und bezeichnet den Völkermord an den 6 Millionen Juden durch die Nationalsozialisten. Dieser Völkermord zielte auf die vollständige Vernichtung der europäischen Juden. Er wurde mit dem staatlich propagierten Antisemitismus begründet und im Zweiten Weltkrieg seit 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgeführt. und Neubeginn

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Gottfried Wagner, Abraham J. Peck: Unsere Stunde Null - Deutsche und Juden nach 1945. Familiengeschichte, Holocaust und Neubeginn. Historische Memoiren. (2006) Böhlau Wien, 428 S., 24,90 €

Bei Wagner und Bayreuth mit dem Festspielhaus auf dem Grünen Hügel, der Villa Wahnfried, muss auch das KZ-Außenlager dieser Stadt, Flossenbürg, mitgedacht werden. Insbesondere diejenigen Kulturbeflissenen, die alljährlich auf den Festspielhügel pilgern, sollten sich dessen bewusst sein, dass Wagners Musik nicht von der antisemitischen Weltanschauung des Komponisten und den politischen Folgen im 20 Jahrhundert zu trennen ist, ebenso wie für die Deutschen in Sichtweite von Weimar und seiner Tradition der Klassik Schillers und Goethes auch der Ettersberg mit dem KZ Buchenwald1937 als Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar (Thüringen) eröffnet für politische Oppositionelle, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma sowie Strafgefangene, auf Grund der Verhaftungen zur "vorbeugenden Verbrechensbekämpfung" ("Asoziale"). Ende 1938 kamen Tausende Juden dazu. Von den ca. 250.000 Häftlingen in Buchenwald und den 130 Nebenlagern starben ca. 65.000. Ab Mitte 1938 organisierten die politischen Häftlinge den Lagerwiderstand. Buchenwald gehörte zu den wenigen Lagern, in denen die Häftlinge vor der Befreiung durch US-Truppen am 11. April 1945 revoltierten. steht.

Unterschiedlicher nach Herkunft und lebensgeschichtlicher Prägung könnten die beiden Autoren kaum sein. Die Familienkonstellation ist einzigartig. Da ist Abraham Peck, der Sohn eines Vaters, der nach einem Leidensweg durch zahlreiche NS-Lager zum Skelett abgemagert und dem Tode nahe von sowjetischen Soldaten in TheresienstadtDie Kleine Festung war ein Gefängnis der Prager Gestapo, das im Juni 1940 errichtet wurde. Bis zum Kriegsende durchliefen 32000 Gefangene die Festung. Oftmals wurden Juden aus dem Ghetto Theresienstadt für Verstöße gegen die Regelungen im Ghetto in die Kleine Festung überführt. befreit wurde, und einer Mutter, die nach GhettoItalienisch, Bezeichnung für zwangsweise zugewiesenen, räumlich beschränkten Wohnbezirk für eine Minderheit, der von außen abgeriegelt und mit Ausgehverbot und behördlichen Kontrollen belegt werden kann. Im Rückgriff auf historische Vorbilder aus dem Mittelalter errichteten die Nationalsozialisten ab Dezember 1939 in den besetzten osteuropäischen Gebieten durch Mauern und Stacheldraht abgetrennte Wohnbezirke z.B. in Lodz, Warschau, Wilna, Riga, Minsk, in denen Juden und "Zigeuner" unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten, bevor sie deportiert und ermordet wurden., Auschwitz und dem KZ-Flossenbürg von US-Truppen in Böhmen befreit wurde. Beide überlebte als einzige Mitglieder zweier großer Familien den NS-Völkermord an den Juden.

Und da ist der Urenkel Richard Wagners, Sohn Wolfgang Wagners, des noch immer herrschenden Potentaten der Bayreuther Festspiele, hineingeboren in eine der berühmtesten und politischsten Familien Deutschlands, die tief verstrickt war in Hitlers Ideologie und Verbrechen und sich der Verantwortung dafür bis heute nicht stellt und sie obendrein durch philosemitische Anbiederung vernebelt.

In Landsberg am Lech, einer Nazi-Hochburg wie Bayreuth, berühren sich die Biografien beider Autoren. Abraham Peck wurde in dieser Stadt im Mai 1946 geboren. Seine Eltern hatten 1943 im Ghetto von LodzStadt Lodz im 1939 annektierten Teil Polens, umbenannt in Litzmannstadt. Erstes größeres Ghetto, im Frühjahr 1940 eingerichtet. Im Juni 1940 lebten 157.000 Menschen auf einem Areal von 4 km unter unzureichenden Bedingungen. Im Oktober 1941 kamen 20.000 deutsche, österreichische, luxemburgische und tschechische Juden dazu sowie 5.000 Sinti und Roma aus dem Burgenland, die in einem separaten Teil des Ghettos inhaftiert wurden. Zwischen Januar 1942 und Juli 1944 Deportationen zur Vernichtung nach Chelmno. 1944 Auflösung des Ghettos und Deportation von ca. 60.000 Menschen nach Auschwitz. geheiratet und wurden kurz darauf getrennt. 1945 fanden sie sich wieder und lebten vor ihrer Auswanderung(Lateinisch: emigrare) Auswanderung, Menschen verlassen für immer oder für eine gewisse Zeit ihren Wohnort aus politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Gründen bzw. aufgrund von Krieg und Naturkatastrophen. In allen historischen Epochen sind Migrationsbewegungen zu beobachten und es wird unterschieden zwischen Binnenmigration - innerhalb eines Landes und internationale Migration - von einem Land in ein anderes. Während des Nationalsozialismus war die Emigration von Künstlern und politisch Verfolgten, Kommunisten und Sozialisten, vor allem aber den aus rassistischen Gründen verfolgten deutschen Juden von großer Bedeutung. In die Flucht getrieben wurden die Unerwünschten bis zum Kriegsbeginn 1939 durch Zerstörung der beruflichen Existenzgrundlagen durch Ausbürgerung, Enteignung von Häusern, Grundstücken und Kapital. Zudem war die Reichsfluchtsteuer zu zahlen. Auch nach dem NS gab und gibt es in der jüdischen Bevölkerung große Wanderbewegungen. in die USA noch fünf Jahre in einem Lager für „Displaced Persons“ in Landsberg, der Stadt in der Hitler nach dem missglückten Putsch vom 9. November 1923Gescheiterter Versuch Hitlers, die Weimarer Republik zu stürzen. Der Marsch Hitlers zusammen mit General Ludendorff und 3.000 republikfeindlichen Anhängern am 9. November 1923 zur Feldherrnhalle in München endete im Gefecht mit der Polizei. Es gab 20 Tote. Hitler wurde 1924 zu 5 Jahren Haft in Landsberg/Lech verurteilt, doch schon nach 9 Monaten entlassen. In der Haft schrieb er sein Buch "Mein Kampf". Nach 1933 wurde die Niederlage durch den jährlich inszenierten Gedenkmarsch zur Feldherrnhalle in einen nationalen Triumph umgedeutet. inhaftiert war und sein Buch „Mein Kampf“ verfasste.

Gottfried Wagners Großmutter Winifred hatte Hitler damals in Landsberg das Papier für die Niederschrift geliefert. 1937-1945 war Landsberg wegen der Festungshaft Hitlers Pilgerstätte der Hitlerjugend und 1944 wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges um Landsberg und Kaufering mit 14 KZ-Außenkommandos der größte Konzentrationslagerkomplex des Deutschen Reiches errichtet. In der Haftanstalt von Landsberg wurden ab Ende 1945 Urteile der Dachauer Kriegsverbrecherprozesse vollstreckt.

Gottfried Wagners Großmutter war Nationalsozialistin seit 1922, Hitler-Verehrerin der ersten Stunde und blieb dies bis zu ihrem Tod 1980. Bayreuth war Brutstätte des AntisemitismusIn den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts geprägter Begriff für Judenfeindschaft. Als ein Produkt der bürgerlichen Industriegesellschaft ist der Antisemitismus überwiegend politisch, wirtschaftlich und rassistisch motiviert. Er richtet sich gegen Juden als ethnische und kulturelle Minderheit in Europa. Die seit der Antike vorkommende religiös motivierte Judenfeindschaft bezeichnet man als Antijudaismus. und Chauvinismus schon lange vor dem Machantritt Hitlers. Als Leiterin der Wagner-Festspiele entwickelte Winifred Wagner Bayreuth in den folgenden Jahre zu einer zentralen NS-Kultstätte. Bis zur Schließung aller deutschen Theater 1944 wurden auf Weisung Hitlers Kriegsfestspiele zu propagandistischen Zwecken veranstaltet. Für die Anreise des Publikums sorgte die NS-Organisation Kraft durch Freude.

Von 1936 bis zu seinem letzten Bayreuth-Besuch 1940 bewohnte Hitler als Persönlicher Freund Winifred Wagners jährlich zur Festspielzeit das Siegfried-Wagner-Haus, einen Anbau an Haus Wahnfried. Hitler, willkommener Gast in Wahnfried, posierte gerne als „Onkel Wolf“ mit Winifreds Söhnen Wieland und Wolfgang vor der Kamera, was bis heute auf dem Festspielhügel verdrängt wird wie z. B. auch das Faktum, dass Wieland Wagner 1944 noch stellvertretender ziviler Leiter des KZ-Außenlagers Bayreuth- Flossenbürg wurde.

Weil Gottfried Wagner diese tiefe familiäre Verstrickung mit dem „Führer“ konsequent anklagte und durch gründliche historische Belege um Aufklärung stritt, wird er von der Wagner-Sippe vor allem seinem Vater geächtet. Abraham Peck und Gottfried Wagner wagten den steinigen Weg des offenen Gespräches, um zu verstehen, wie sie das Erbe ihrer jeweiligen Familiengeschichten geprägt hat und wie sie mit dieser Prägung leben. Um den Beginn eines wirklichen Dialogs zwischen Deutschen und Juden zu erreichen, müssen die, die nach 1945 geboren wurden, eine persönliche Verbindung zu dieser Geschichte finden. Sie müssen wissen, was mit ihren Eltern und in ihren Familien passierte.

Über das Persönliche hinaus geht es den Autoren um die Überwindung von Angst, Misstrauen, Hass und Schuldzuweisungen, die jede Form eines wirklichen Dialogs zwischen Deutschen und Juden der zweiten und dritten Generation nach 1945 unmöglich machen. Mit ihrem Dialog, der 1992 begann, wollen Wagner und Peck ihre Familiengeschichten als Teil einer historischen Erkenntnis begreifbar machen. Statt Schönrederei fordern sie die Bereitschaft, aus den Erfahrungen der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen und zu handeln. Beide verbindet das Engagement für Menschenrechte und zwischenreligiöse Dialoge als Reaktion auf ihre Lebensgeschichten, die für Abraham Peck, 1946 in Landsberg und Gottfried Wagner 1947 in Bayreuth als Geburtsstädte und einstige Hitler-Hochburgen begannen. Sie haben sich gemeinsam auf eine Reise durch Zeit und Trauma begeben zu den Orten der Erinnerung an familiäre und deutsche Vergangenheit - Landsberg, Bayreuth, LodzStadt im 1939 annektierten Teil Polens, umbenannt in Litzmannstadt. Erstes größeres Ghetto, im Frühjahr 1940 eingerichtet. Im Juni 1940 lebten 157.000 Menschen auf einem Areal von 4 km unter unzureichenden Bedingungen. Im Oktober 1941 kamen 20.000 deutsche, österreichische, luxemburgische und tschechische Juden dazu sowie 5.000 Sinti und Roma aus dem Burgenland, die in einem separaten Teil des Ghettos inhaftiert wurden. Zwischen Januar 1942 und Juli 1944 Deportationen zur Vernichtung nach Chelmno. 1944 Auflösung des Ghettos und Deportation von ca. 60.000 Menschen nach Auschwitz., Auschwitz und all die anderen Orte.

In diesen Dialog haben sie auch ihre Kinder und nächsten Verwandten einbezogen, eine Familiengeschichte, die für Gottfried Wagner keine Verdrängung und Leugnung gestattet. Er wurde durch seine Aufdeckung der Lebenslügen des Bayreuther Wagner Clans von diesem nicht nur verstoßen. Die beleidigte bis heute aus öffentlichen Mittel hochsubventionierte Kulturfima Wagner tat seit seiner Autobiographie „Wer nicht mit dem Wolf heult“ ( (1997) und tut bis heute skrupellos weiterhin alles, um ihn, den „Unbotmäßigen“, der sich nicht aus Karrieregründen anpasste, persönlich zu diffamieren und beruflich total zu boykottieren.

Die Autoren geben den Nachgeborenen von Tätern und Opfern ein Beispiel: Stellt euch schonungslos der eigenen Familiengeschichte. Geht aufeinander zu - redet miteinander!

Das Buch „Unsere Stunde Null. Deutsche und Juden nach 1945: Familiengeschichte, HolocaustDer Begriff Holocaust  kommt aus dem Griechischen, bedeutet "vollständig verbrannt" und bezeichnet den Völkermord an den 6 Millionen Juden durch die Nationalsozialisten. Dieser Völkermord zielte auf die vollständige Vernichtung der europäischen Juden. Er wurde mit dem staatlich propagierten Antisemitismus begründet und im Zweiten Weltkrieg seit 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgeführt. und Neubeginn. Historische Memoiren" kann nicht nachdrücklich genug zur Lektüre empfohlen werden.

Gottfried H. Wagner, ist Regisseur und freiberuflicher Musikhistoriker mit Schwerpunkt deutsch-jüdische Geschichte des 19.und 20. Jahrhunderts, Antisemitismus und Musik bei Richard Wagner, Kurt Weill, „Entartete MusikTitel einer Ausstellung 1938 in Düsseldorf im Rahmen der ersten "Reichsmusiktage". Diffamierende nationalsozialistische Bezeichnung für moderne, avantgardistische Kompositionen sowie Unterhaltungsmusik (Swing), die als "undeutsch" bzw. "entartet" galt.", Kultur in Theresienstadt60 km von Prag. Nach der dt. Besetzung Umsiedlung der Einwohner, Errichtung eines Ghettos für jüdische Prominente u. Künstler aus Böhmen u. Mähren sowie ca. 15.000 Kinder. Ab Juli 1942 Vortäuschung als Altersghetto für dt. Juden u. "Privilegierte", in Wirklichkeit KZ. Durchgangsstation für Deportationen nach Auschwitz. Gesondert bestand ab 1940 in der "Kleinen Festung" eine KZ-Haftstätte für ca. 32.000 politische Gefangene und Juden. Von 141.000 nach T. Deportierten starben dort 33.500, insgesamt kamen 118.000 ums Leben. Befreiung am 8.5.1945 durch die Sowjetarmee., setzt sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus und dessen Folgen bis heute auseinander. Er promovierte in Wien mit einer Arbeit über Kurt Weill und Bertold Brecht. Für seine humanitären, historischen und musikwissenschaftlichen Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Seit 1983 lebt er in Italien.

Abraham J. Peck, leistete Pionierarbeit als Historiker der Geschichte von Holocaust-Überlebenden und der jüdischen Internierungslager (Jewish DPNach 1945 Bezeichnung der Alliierten für die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen, heimat- und staatenlosen jüdischen Überlebenden der befreiten Lager sowie nichtdeutschen Flüchtlinge aus Osteuropa, zusammen ca. 8,5 Millionen Menschen. DP-Lager bestanden nach 1945 vielfach für einige Jahre in ehemaligen NS-Lagern bis zur Auswanderung, Repatriierung oder Einbürgerung der D.P. camps) nach 1945. Peck war Direktor der wissenschaftlichen Forschung der American Jewish Historical Society in New York City, Direktor des Holocaust Museums Houston und Verwaltungsdirektor des American Jewish Archives in Cincinnati/Ohio. Er ist Direktor des akademischen Beirates für Christlich-Jüdisch-Islamische Post-Holocaust-Studien an der Universität von Southern Maine in Portland/USA, lehrt dort am Fachbereich Geschichte und Judaistik.