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Die Lebendigkeit der Geschichte

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Eleonore Lappin, Bernhard Schneider (Hg.): Die Lebendigkeit der Geschichte. (Dis-)Kontinuitäten in Diskursen über den Nationalsozialismus (Band 13 der Reihe Österreichische und internationale Literaturprozesse). (2001) Röhrig Universitätsverlag St. Ingbert, 39,00 €

Antwort auf die Frage, wie relevant Geschichte für die Gegenwart ist, gibt das Buch "Die Lebendigkeit der Geschichte. (Dis-)Kontinuitäten in Diskursen über den Nationalsozialismus." Die 39 wissenschaftlichen Beiträge eröffnen vielfältige Zugänge der Nachkommen von Tätern und Opfern und anderer Betroffener zum HolocaustDer Begriff Holocaust  kommt aus dem Griechischen, bedeutet "vollständig verbrannt" und bezeichnet den Völkermord an den 6 Millionen Juden durch die Nationalsozialisten. Dieser Völkermord zielte auf die vollständige Vernichtung der europäischen Juden. Er wurde mit dem staatlich propagierten Antisemitismus begründet und im Zweiten Weltkrieg seit 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgeführt. und zeigen die Aktualität der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. An dem Sammelband haben Sozial- und Erziehungswissenschafter, Soziologen, Historiker, Politologen, Religionswissenschafter, Psychologen und Sprachwissenschafter mitgearbeitet. Ein Bankfachmann, Künstler sowie Vertreter von Interessensgruppen und staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen, die mit relevanten Anliegen befasst sind, ergänzen die wissenschaftlichen Analysen durch Erfahrungsberichte.

Die so gewonnenen vielschichtigen Einblicke und Perspektiven im Umgang mit den historischen Erfahrungen und die breit gefächerte Themenpalette machen deutlich, dass die Erlebnisse der Weltkriegsgeneration über die Erziehung und Tradierung bis heute auf die jüngeren Generationen wirken und einen enormen Einfluss auf das Leben in unserer Gesellschaft haben.

Im Buch vorgestellte aktuelle Maßnahmen und Initiativen und die boomende Gedenkkultur zeigen das große Interesse am Thema. Die unterschiedlich interpretierte Bedeutung der Erinnerung an den Holocaust, als Mahnung, soziale Verantwortung oder Schuldlast, findet ebenso Platz wie das Schicksal der RomaDie Sammelbezeichnung "Zigeuner", für die ethnische Minderheit der Sinti und  Roma gilt als diskriminierend. Sinti und Roma, die bekanntesten der 5 Hauptgruppen, kamen als Migranten aus Indien. Seit über 600 Jahren leben Sinti und Roma in Europa. Sie sind meist katholische Christen, die balkanischen Roma häufig Muslime. Die Sinti und Roma sind oft über Generationen in ihren Heimatorten verwurzelt. Von den Nationalsozialisten wurden sie wie die Juden aus rassistischen Gründen verfolgt. Nach Schätzungen wurden ca. 500.000 in KZ, Ghettos und durch Massenerschießungen im Zweiten Weltkrieg ermordet. und SintiAuch Cinti. Bezeichnung für die im deutschen, west- und mitteleuropäischen Sprachraum seit 1400 lebende nationale Minderheit, die Teil der seit 1979 mit beratendem Status bei der UNO akkreditierten Weltorganisation der "Romani-Union" ist. Die Bezeichnung leitet sich vermutlich von der Herkunft aus der nordindischen Region Sindh ab. Die ca. 40.000 heute in Deutschland lebenden deutschen Sinti, deren Vorfahren schon seit mehr als 500 Jahren hier ansässig waren, unterscheiden sich von den Roma durch sprachliche Unterschiede (Dialekte und Lehnwörter) und kulturelle Traditionen ("Zigeuner" Romanes)., die als Opfergruppe bisher oft unberücksichtigt blieben. Die Publikation ist aus der Idee entstanden, Voraussetzungen für ein gemeinsames Gespräch zwischen den Kindern und Enkeln von Tätern und Opfern des Nationalsozialismus zu schaffen.

Ausgangspunkt war die internationale Konferenz "The Presence of the Absence – Die Lebendigkeit der Geschichte" im Herbst 1999. Darauf folgte im Mai 2000 das Symposium "(Dis-)Kontinuitäten in Diskursen über den Nationalsozialismus". Veranstalter beider Projekte war der Verein Arche – Plattform für interkulturelle und wissenschaftliche Projekte. Hinter dem Buch steht neben Arche der Verein zur Erforschung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und ihrer Aufarbeitung. Der Verein führt Forschungen zur Vergangenheitspolitik, insbesondere zur Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen nach 1945, sowie zu allen Formen des Gedenkens durch. Mehr unter: http://www.arche.or.at/index2.htm