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Call for Papers: Leipzig und die nationalsozialistische Militärjustiz

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig und die Stadt Leipzig zeigen im April/Mai 2012 die Wanderausstellung "Was damals Recht war..." - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und bieten dazu ein umfangreiches Rahmenprogramm an.

In Leipzig gab es zwischen 1940 und 1944 drei Sondergerichte. Leipzigerinnen und Leipziger aber auch Menschen aus allen besetzten Ländern Europas standen wegen "Wehrkraftzersetzung", Desertion oder als "Kriegsverräter", z.B. wegen ihrer pazifistischen Gesinnung, kritischen Äußerungen über den Nationalsozialismus, des Hörens ausländischer Rundfunksender oder "unerlaubtem Umgang mit Kriegsgefangenen" vor diesen Gerichten. Hohe Haftstrafen und zahlreiche Todesurteile wurden verhangen. Die Mehrzahl der Todesurteile wurde im Zuchthaus Roter Ochse in Halle oder im Wehrmachtgefängnis Torgau vollstreckt. Auch in Leipzig
wurden noch im Frühjahr 1945 auf dem Gelände der heutigen General-Olbricht-Kaserne 32 zum Tode Verurteilte hingerichtet und auf Leipziger Friedhöfen sind weitere Opfer der NS-Militärjustiz beigesetzt.

Bislang gibt es kaum wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Geschichte der Wehrmachtjustiz in Leipzig beschäftigen. Daher initiiert die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig diesen CfP, um insbesondere junge Wissenschaftler_innen zu motivieren, sich mit  diesem Thema auseinanderzusetzen. Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit bietet Unterstützung bei den Recherchen und der Konzipierung der Arbeiten an. Es ist vorgesehen, die Forschungsergebnisse in einer öffentlichen
Veranstaltung im Rahmen des Ausstellungsprogramms zu präsentieren und in
einer Publikation der Gedenkstätte zu veröffentlichen. Unkosten für die Archivarbeiten und Recherchen können bis zu einer Höhe von 500 Euro gedeckt werden.

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit ist besonders daran interessiert, Arbeiten zu unterstützen, die einen lokalen Bezug zu Leipzig haben und die die vorhandenen Forschungslücken schließen könnten. Hier wären verschiedene Ansatzpunkte denkbar. So existieren bislang weder ein Namensverzeichnis der durch die NS-Sondergerichtsbarkeit Verurteilten noch Zahlen über diese NS-Militärjustizopfer. Auch biographische Forschungen, z.B. über Walter Heise (1899-1945), der als KPD-Mitglied
und NS-Gegner zwischen 1934-1936 im Zuchthaus Zwickau eingesperrt war und 1944 als Mitglied des Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) in Leipzig verhaftet wurde, wären vorstellbar. Walter Heise wurde wegen "Wehrkraftzersetzung" und "Feindbegünstigung" vom Volksgerichtshof Dresden zum Tode verurteilt und am 8.2.1945 in Dresden hingerichtet.

Doch nicht nur die Forschungen zu den Opfern der NS-Militärjustiz sind noch sehr lückenhaft, auch die Täter sind bisher kaum in den Blick genommen worden. Arbeiten über die NS-Eliten, beispielsweise über Karrieren des Richterkorps der Wehrmacht, das u.a. in Leipzig tätig war, gibt es bislang nicht. Ebenso wenig ist der Umgang mit Tätern wie Opfern aus erinnerungspolitischer Perspektive aufgearbeitet. Wie sahen die
Lebenswege nach dem Ende des Nationalsozialismus aus, wie gestaltete sich der Kampf um "Entschädigung" und Rehabilitierung für die NS-Militärjustizopfer in der DDR, besonders im Bezirk Leipzig, bis zur Aufhebung der Wehrmachturteile durch den Bundestag 2002? Wurden die Richter der Wehrmacht strafrechtlich verfolgt oder konnten sie ihre Karrieren ungebrochen fortsetzen? Wie sah der gesellschaftliche Umgang mit "Wehrkraftzersetzern" und "Kriegsverrätern" aus, gab es eine
künstlerische Auseinandersetzung?

Interdisziplinäre Forschungsansätze sind hierbei ausdrücklich erwünscht.

Der Call for papers richtet sich an Studierende und Nachwuchswissenschaftler_innen aller Disziplinen, die zur aufgezeigten Thematik forschen. Dabei unterstützen wir nachdrücklich Abschlussarbeiten und Arbeiten von Seminargruppen. Bereits vorhandene Forschungsarbeiten können ebenfalls gern eingesendet werden und
eventuell für das Veranstaltungsprogramm Verwendung finden.

Interessent_innen schicken bitte ein 1-2seitges Exposé oder Abstract sowie Informationen zu Biographie und Forschungsinteressen (max. eine halbe Seite) bis spätestens 20. November 2011 an die untenstehende Adresse.

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
Permoserstraße 15, 04318 Leipzig
Tel.: 0341 - 235 2075
Fax: 0341 - 235 2076
E-Mail: gedenkstaette [at] zwangsarbeit-in-leipzig [dot] de

Quelle: hsozkult

 

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