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CfP: Steine des Anstoßes oder normiertes Ritual? Zur Rolle des Stolperstein-Projekts in den Erinnerungskonflikten der Gegenwart

Vor über 20 Jahren begann das Erinnerungsprojekt Stolpersteine als eine kleine künstlerische Intervention im öffentlichen Raum. Der Künstler Gunter Demnig verlegt seither 10x10cm große Messingplatten, die vor ihren letzten freiwillig gewählten Wohnorten an das Schicksal der im Nationalsozialismus verfolgten Menschen erinnern. Auf den Stolpersteinen sind der Name und die Lebensdaten der Verfolgten eingeprägt. Zu Beginn ließ sich dieses Projekt oftmals nur ohne offizielle Genehmigung oder gegen große Widerstände durchsetzen. Im Laufe der Zeit jedoch gewann es in Deutschland an Zuspruch und zählt nun zu den in der Gesellschaft am
stärksten verankerten Erinnerungsprojekten. Mittlerweile werden Stolpersteine auch in fast allen von der deutschen Wehrmacht besetzten Ländern verlegt, aber nicht überall stoßen sie auf Zustimmung. Im Zentrum der Konferenz steht der Austausch über den erinnerungs- und geschichtspolitischen Kontext dieses Kunstprojektes und seine Verortung in den europäischen Erinnerungskulturen. Wir freuen uns über
Vortragsvorschläge zu folgenden Themenbereichen:

1) Wer sind die Akteure dieses Projektes vor Ort? Was ist das Ziel des Projektes und inwieweit wurde dies erreicht? Regen die Stolpersteine zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit an oder haben sie eine gesellschaftliche und persönliche Entlastungsfunktion im Sinne einer Vergangenheitsbewältigung? In welchem Verhältnis stehen die Stolpersteine zu anderen zeithistorischen Markierungen im Raum wie Denkmälern, Informationsstelen, Gedenkstätten und elektronischen Simulationen? Welchen Anteil hat das Stolperstein-Projekt an der deutschen Erinnerungskultur und ihrer Wahrnehmung im Ausland ("DIN-Norm des Erinnerns")? Hat Gunter Demnig sein Projekt als Soziale Skulptur
konzipiert und kann es als solche nach der Definition von Joseph Beuys
verstanden werden?

2) Stolpersteine werden mittlerweile in mehr als 20 europäischen Ländern verlegt. Welche Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in Form und Inhalt des Gedenkens gibt es? In welchem Verhältnis steht die Verlegung von Stolpersteinen zu den lokalen, nationalen und internationalen Erinnerungskonflikten? Welche Kontroversen entstehen durch die Initiierung des Projektes in unterschiedlichen Kontexten? Was sagen die Verlegungen, aber auch die Kontroversen über die verschiedenen europäischen Erinnerungskulturen aus?

3) Welche ähnlichen Projekte gibt es und was genau unterscheidet sie von dem ursprünglichen Stolperstein-Projekt? Was bedeutet es für das Stolperstein-Konzept Gunter Demnigs, dass es auf andere historische Kontexte und Erinnerungskulturen übertragen wird? Ist die Vorbildwirkung Ausdruck seines Erfolgs oder droht durch die zahlreichen Adaptionen eine Verwässerung und Entwertung?

Die Tagung ist ein Kooperationsprojekt des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam und der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin, die Teil des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. ist.

Die Tagung wird in deutscher und englischer Sprache stattfinden. Sie richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die geschichtsinteressierte Öffentlichkeit. Vorschläge für Vorträge mit fächerübergreifenden Ansätzen sind besonders willkommen. Die Veröffentlichung eines Tagungsbandes ist geplant. Den Referentinnen und Referenten der Tagung werden Reise- und Übernachtungskosten erstattet. 

Wer Ergebnisse seinerihrer Forschung bei der Tagung vorstellen möchte, ist herzlich eingeladen, bis zum 15. Oktober 2018 eine Kurzbeschreibung (max. 3.500 Zeichen) seinesihres Vortrags und einen kurzen Lebenslauf in Deutsch oder Englisch an

Email: info [at] stolpersteine-berlin [dot] de

einzusenden.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Über die Annahme Ihres Vorschlags informieren wir Sie bis zum 15. Dezember 2018. 

 

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