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CFP: Zwischen Verfolgung und 'Volksgemeinschaft': Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus

Aufgrund seiner spezifischen Geschichte als "Austauschlager" für Juden sowie als Ziellager von Räumungstransporten aus anderen Konzentrationslagern, die einen hohen Anteil an minderjährigen Sinti und Roma sowie jüdischen Häftlingen aufwiesen, waren im KZ Bergen-Belsen überdurchschnittlich viele Kinder inhaftiert.

Trotz oder vielleicht auch wegen des emotionalen Zugangs ist die Geschichte von Kindern in Konzentrationslagern im Allgemeinen und im KZ Bergen-Belsen im Besonderen bislang nur ansatzweise wissenschaftlich erforscht und vor allem nicht einem breiteren Publikum vermittelt worden. In Deutschland gab es bislang keine spezifische Ausstellung zu diesem Thema. Diese Lücke wird die Gedenkstätte Bergen-Belsen am 15. April 2018 mit der Eröffnung der Sonderausstellung "Kinder im KZ Bergen-Belsen" schließen.

Die Ausstellung, die bis zum 30. September 2018 im Forum der Gedenkstätte präsentiert wird, ist Anlass, über die engere Fragestellung der Ausstellung hinaus sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung am 1./2. Juni 2018 übergreifend mit dem Thema Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus zu beschäftigen. Ziel der von der Gedenkstätte Bergen-Belsen zusammen mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme veranstalteten Tagung ist es, das Ausstellungsthema in die Gesellschaftsgeschichte von Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus einzubetten. Dabei soll es
explizit nicht nur um Aspekte der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung
von Kindern und Jugendlichen gehen, sondern auch um Integrationsangebote, die dem Nachwuchs der propagierten "Volksgemeinschaft" gemacht wurden.

Gerade das Wechselverhältnis zwischen Inklusion und Exklusion ist in Bezug auf Kinder und Jugendliche von der Forschung bislang kaum beleuchtet worden. Zwar gibt es einige Arbeiten zur Verfolgung spezifischer Gruppen von Minderjährigen und zu einzelnen Verfolgungsorten, etwa zu den sog. Jugendschutzlagern, und auch zur
Jugendkultur, zum Jugend-Widerstand und zur Hitlerjugend liegen Forschungsarbeiten vor. Dennoch ist das Thema "Kindheit und Jugend im NS" in der Forschung überraschend unterpräsentiert: Bislang gibt es dazu keine Gesamtdarstellung, und auch einige Teilthemen, zum Beispiel die Geschichte der Kinder in den Konzentrationslagern, wurden bisher nicht übergreifend bearbeitet.

Die Tagung wird nicht alle Lücken schließen können. Sie soll aber den Blick auf das Thema sowohl erweitern als auch schärfen, indem sie sich folgenden Fragen zuwendet:

  • Wie gestaltete sich die Lebenswirklichkeit der als Teil der "Volksgemeinschaft" geltenden Kinder? Welche Rolle spielten Schule und Hitlerjugend?
  • Wie veränderten sich der Alltag und die Lehrpläne in den Schulen (staatliche, private und konfessionelle Schulen)? Wie reagierten Schüler_innen auf Ausgrenzung?
  • Welche Kontinuitäten und Brüche zeigte die Zwangserziehung in Heimen und Anstalten?
  • Welche Rolle spielte widerständiges Verhalten bei Jugendlichen?
  • Wie entwickelten sich jugendliche Subkulturen?
  • Wie entwickelte sich die Beziehungsgeschichte zwischen ausgegrenzten und verfolgten Kindern (Juden, Sinti und Roma, Kranke, Nichtdeutsche etc.) und dem Nachwuchs der selbsternannten "Herrenmenschen"?
  • Welche Kinder wurden mit welchen Mitteln verfolgt? Welche Überlebensbedingungen hatten verfolgte Kinder in Lagern und anderen Haftstätten, etwa Neugeborenen- und Kinderheimen für ausländische Kinder?
  • Welche Spezifika, auch erfahrungsgeschichtlich, hatte die Verfolgung von Kindern und Jugendlichen gegenüber der von Erwachsenen?
  • Welche psychischen, sozialen und politischen Folgen hatten Indoktrination und Militarisierung auf der einen und die Erfahrung von Ausgrenzung und Verfolgung auf der anderen Seite auf die Jugend in der Nachkriegszeit?
  • Welche Gegenwartsbezüge bietet das Thema für aktuelle Bildungsprogramme in den Gedenkstätten und im Unterricht?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die auf der Tagung zu einem der umrissenen Themenbereiche einen Beitrag leisten möchten, sind herzlich zur Teilnahme und Mitwirkung eingeladen. Es ist geplant, einzelne Vorträge der Tagung in Heft 20 der Zeitschrift "Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland" zu veröffentlichen, dessen Erscheinen für 2019 vorgesehen ist.

Die Vorträge sollen den Charakter von Impulsreferaten haben, an die sich jeweils eine Diskussion anschließt.

Wir bitten alle Interessierten, uns bis spätestens 28. Februar 2018 ein einseitiges Abstract ihres geplanten Vortrages (max. 600 Wörter) sowie eine Kurzbiografie an folgende E-Mail-Adresse zu senden:

E-Mail: sekretariat [at] stiftung-ng [dot] de

Die Benachrichtigung der ausgewählten Referentinnen und Referenten erfolgt bis zum 31. März.2018. Für Referentinnen und Referenten werden die Reise- und Übernachtungskosten übernommen.

Kontakt

Dr. Jens-Christian Wagner
Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Im Güldenen Winkel 8
29223 Celle
Tel.: +49 (0) 5141 - 93355 - 10
Fax: +49 (0) 5141 - 93355 - 33
E-Mail: sekretariat [at] stiftung-ng [dot] de
 

 

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